Wasserschlacht nicht mehr hören…
Deutschland trifft bei der EM im ersten Spiel auf Polen; nicht nur die vielen Berliner Polen hoffen, dass den Medien dazu etwas Besseres einfällt, als die Wasserschlacht von 1974
Von Olaf Sundermeyer
Vorausgeschickt: Wer sich so gar nicht für Fußball interessiert, kann sich die folgenden zwei Minuten sparen. Der Rest wird – carpe berlin exklusiv sozusagen – mit Neuigkeiten belohnt: Über den ersten deutschen EM-Gegner Polen. Dinge, die heute nirgends zu lesen sein werden. Versprochen! Zum Beispiel, dass der niederländische Nationaltrainer der Polen, Leo Beenhakker, bei seinem Amtsantritt nach der WM 2006 ( er löste Pawel Janas ab) zunächst dafür gesorgt hat, dass die polnischen Fußballfunktionäre nicht mehr im Mannschaftshotel wohnen dürfen. Das taten sie in der Vergangenheit, weshalb sich die Spieler – etwa bei der WM in Deutschland – fragten: „Warum dürfen die saufen – und wir nicht?“ Hängt auch damit zusammen, dass die Polen nun einen Manager für die Nationalmannschaft verpflichtet haben (also einen polnischen Oliver Bierhoff, der in diesem Fall aber auch ein Holländer ist). Jan DeZeeuw heißt der Mann, und ist gleichzeitig als Manager von Jerzy Dudek (nicht mehr Nationaltorwart) dafür verantwortlich, dass dieser nun als Ersatzmann bei Real Madrid hinter Jens Lehmann der teuerste Tormann ist, der bloß auf der Bank sitzt. Dass Beenhakker zwar ein umgänglicher Typ ist (der vom Äußeren ein bisschen an Rudi Carel erinnert), politisch aber so etwas wie ein Rassist: Im Interview mit der polnischen Tageszeitung „Rzeczpospolita“ sagte er kürzlich, dass er nicht in Amsterdam wohne wolle, weil er dort nicht mehr das Gefühl hat, in Holland zu leben … (deshalb wohnt er im flämischen Belgien). Bekannt ist, dass die meisten polnischen Nationalspieler im Ausland kicken (Deutschland: Blaszczykowski, Krzynowek, Schottland: Boruc, Zurawski, Spanien: Smolarek etc.), sich die Anzahl der tauglichen Legionäre aber mit der ersten Elf erschöpft: Polen hat überhaupt keinen zweiten Anzug, der passt. Polen hat keine Stürmer, die Torgefährlich sind (Smolarek ist so ein Zwischending; er hat in der Quali immerhin neunmal getroffen) – schon weil in dieser Mannschaft der Offensivkopfball scheinbar nicht existiert. Ihre Standardsituationen sind so mäßig, dass sie den Ball gleich dem Gegner überlassen können. Sie haben keinen Spielmacher. Dafür: Kommen sie sehr stark über die Flügel. Haben ein funktionierendes Mannschaftskollektiv; sehr viele Spieler, die international in mittelmäßigen Mannschaften spielen – und sich über die Nationalmannschaft empfehlen können. In der Qualifikation haben sie sich überzeugend gegen Portugal durchgesetzt, dass sie vor einem Jahr im schlesischen Chorzów verdient mit 2:1 (zweimal Smolarek) besiegt haben.
Mein Tipp: Deutschland gewinnt am 8. Juni in Klagenfurt gegen Polen mit 2:0. Vorausgesetzt Jogi Löw lässt Arne Friedrich zu Hause, Marcel Janssen (links) und Philip (rechts) legen das polnische Flügelspiel Lahm, Metze weist Ebi Smolarek in die Schranken, und Miroslaw „Doppelpack“ Klose hat einen guten Tag gegen Boruc, der auf der Linie sehr stark ist, im Rauslaufen schwach. Grundsätzlich wird Polen sich aber bei der EM besser präsentieren, als bei der WM vor einem Jahr. Sie werden unter Garantie besser vorbereitet sein. Und gegen Deutschland topmotiviert. Unter polnischen Sportjournalisten gilt Deutschland übrigens als Favorit auf den Turniersieg.
Ach ja: Jazek Krzynowek hat nach der Auslosung gesagt: „Wir haben noch nie gegen Deutschland gewonnen – daher wird es nun Zeit, dass wir sie endlich schlagen“.

































