GermanEnglishFrenchSpanishItalian

Carpeberlin - Being a visitor - not a tourist

Stadt Stadt
Sonntag, 13. Juli 2008 12:43 • 

Von: carpeberlin

Unknown Wedding: Auf der Route 65

Strassenschild mit der Aufschrift Route 65

Logo Route 65

Von Andreas Mix

 

Wer den Charme des Weddings entdecken will, der sollte sich von Einheimischen wie Nada und Kauthar führen lassen. Unter dem Motto „Arab girls on tour“ zeigen sie Besuchern ihren Kiez. Auf den sind sie mächtig stolz.

Was manche für einen Problembezirk halten, ist für andere Heimat. „Ich liebe den Wedding. Hier bin ich geboren, hier ist alles perfekt für mich“, sagt Nada. Jeder Kommunalpolitiker wäre gerührt vom Lokalpatriotismus der Achtzehnjährigen. Die Begeisterung für ihren Kiez vermittelt sie regelmäßig bei Führungen vom Verein „Kultur bewegt“. Seit Oktober 2006 bietet er verschiedene Touren durch den Wedding an. Organisiert werden sie von den Jugendlichen.
Ethnisch gemischte Gruppe von sieben Jungen Erwachsenen vor Graffitiwand
Mit ihrer vierzehnjährigen Schwester Kauthar zeigt Nada die Gegend östlich der Reinickendorfer Straße. Auf den ersten Blick gibt es hier nicht viel zu sehen außer tristen Wohnblocks, ungepflegten Grünanlagen und dem betonierten Flussbett der Panke. Die beiden Mädchen verbinden mit jedem dieser Orte Geschichten. Meist handeln sie vom Vandalismus. „Hier haben Jugendliche Mülltonnen angezündet“, erklärt Nada und zeigt auf Brandflecken in einem Hof. Routiniert entschlüsselt sie die Graffitis an den Häuserwänden und Spielplätzen. „MBW steht für ‘Moslem Boys Wedding’.“ Daneben gibt es die „Hurricane Jokers“ und die „Toys 65“. Die alte Postleitzahl des Bezirks ist zu einem Label geworden, das die Jugendlichen mit Stolz tragen und überall Orten verewigen.

Drei türkische Mädchen vor kaputtem Trampolin
Weiter führt der Weg durch die Grünanlagen entlang der Panke. „Hier schlief einmal ein Mann, der von seiner Frau rausgeschmissen wurde“, erzählt Nada. Am „Schiffspielplatz“ staunt sie über das neue Trampolin. „Das war lange kaputt. Wir haben das auch dem Bürgermeister gezeigt.“ Ob SPD-Bezirksbürgermeister Christian Hanke für das neue Trampolin gesorgt hat, wissen Kauthar und Nada nicht. Von der Tour war er jedenfalls ebenso beeindruckt wie es Grit, Verena und Stefan sind. Die drei wohnen seit einem Jahr im Wedding. Für die Tour haben sie sich angemeldet, um mehr über ihre neue Nachbarschaft zu erfahren.

Die nächste Station ist die Bäckerei Tatlicilar in den Gerichtshöfen. Stolz zeigt Ertan Saydam die Backstube, wo aus hauchdünnem Maisstärketeig Baklava wird. „Wir produzieren bis zu 1,5 Tonnen täglich.“ In dem Büro des Dreiunddreißigjährigen hängt eine große Europakarte, auf der rote und blaue Magneten die Lieferorte markieren. Tatlicilars Süßwaren werden von Madrid bis Vilnius, von Helsinki bis Mittelitalien verzehrt. Saydem weiß um die Vorlieben seiner Kunden: „Die Deutschen mögen lieber Schokolade, aber im Westen und Osten wird Baklava immer populärer. Die meisten der Endverbraucher sind jedoch Türken.“ Die Bäckerei hat Saydem von seinem Vater übernommen, der seinen Ruhestand in der Türkei genießt. Der geschäftstüchtige Sohn hat Großes vor: „Wir wollen Supermärkte beliefern.“

Vom Geruch von Blätterteig und Sirup betört, geht es weiter zur Wiesenburg. Die im 19. Jahrhundert errichtete Anlage an der Panke war ein Asyl für die Obdachlosen im rasant wachsenden Arbeiterviertel. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und später verfallene Objekt haben längst Künstler für sich entdeckt und dort ihre Ateliers eingerichtet. Mit Unterstützung des Quartiersmanagements Pankstraße wurden die Ruinen der Wiesenburg zugänglich gemacht.

Der Rundgang endet im DRK-Jugendladen an der Neuen Hochstraße. Für Kauthar und Nada ist das ein besonderer Ort. Hier haben sie bereits als Kinder gespielt. Heute arbeitet Nada, die eine Ausbildung zur Verkäuferin macht, ehrenamtlich für den Jugendladen. „Das ist wie eine große Familie hier“, schwärmen die Schwestern.

Das Interesse an ihren Stadtteilführungen wächst. Zumeist sind es Touristen, denen sie ihre Lebenswelt zeigen. „Für die Jugendlichen ist das eine tolle Erfahrung. Die Identifikation mit ihrem Kiez wird gestärkt und sie lernen, vor einer Gruppe zu sprechen“, erklärt Susanne Pozek vom Verein „Kultur bewegt“. Vier verschiedene Touren gibt es bereits auf der „Route 65“. Bald sollen weitere in anderen Bezirken folgen. Ob Kauthar und Nada daran teilnehmen werden? Wenn sie über den Besuch bei ihren Verwandten in Moabit erzählen, dann klingt das wie eine Reise in eine andere Welt. Warum auch den Wedding verlassen? Nirgendwo ist es so schön wie hier, meinen Kauthar und Nada.

Die Touren auf der „Route 65“ können gebucht werden unter:

www.route65-wedding.de/index.html
E-Mail: mail@route65-wedding.de
Telefon: 030 - 233 66 760


Kommentare

kauthar, 11-07-08 14:33:
ja hallo ich bin kauthar die stadtführerin also ich hab mich sehr gefreut das sie es so interpretirt haben .Meine schwester und ich (KAUTHAR) bedanken uns bei ihnen noch mal ganz herzlich.ich hab mich sehr gefreut auf jeden fall wenn sie noch mal lust haben wir ihnen den wedding zu zeigen dann seien sie nicht scheu nehmen sie denn hörer ab und wer weiß vieleicht ist ja doch was neues dabei. und danke nochmal das sie uns werbung gemacht haben. also dann schönen gruß noch bis dann . viele liebe grüße. KAUTHAR , NADA

Kommentar hinzufügen

* - Bitte ausfüllen
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

*


*

Videos

The Roots in concert in Huxley's Neuer Welt, November 2008

Kreation und Zerstörung: CarpeBerlin im Gespräch mit Daniel Thouw

Interview mit Axl Makana

Interview mit T.Raumschmiere zur aktuellen Tour I TANK U

Interview mit den Machern des Rocky Horror Picture Musicals in Berlin

"Gemüse ab!" Die Schlacht auf der Ober-baumbrücke 2008

Interview mit Martin von den Tiger Lillies

Interview mit Zoe im Rahmen der "Pop d'Europe" in Berlin

"Soundmassagen"
Marco Kuhn im Inteview.

"Die Klassik ist die Exotic des Jazz"
Interview mit Kelvin Sholar

"Die Ohrbooten" Interview 2008

"Los Bomberos de Montecruz"
Interview 2008

"Amparanoia" Interview 2008

Von Trash-Schick bis Trümmerlook

"Neukölln is the Best" Musikvideo

In den Kellergewölben des Palast derRepublik

Media Spree Parade mit der
Hedonistischen Internationalen

CarperBerlin Interview mit Media Spree Versenken! zum O2-Werbeturm

Video-Interview mit Media Spree Versenken

CarpeBerlin Interview mit 'Media Spree Versenken!'

Reggae Musicvideo gegen Media Spree

Pappsatt's Reggae Video zur Rettung des Spreeufers

CarpeBerlin Interview mit Elektropunkrocker Alec Empire

Videofuehrung: Relikte der DDR, Berliner Mauer

Relikte der DDR
Die Berliner Mauer

Relikte der DDR
Sowjetisches Ehrenmal

Relikte der DDR
Karl-Marx-Allee

 

 

 

 

Relikte der DDR
Palast der Republik

 


Interview Ellen Häring vom Karneval der Kulturen in Berlin

Mit Rebel One in Kreuzberg 36

Das kleine Fußball-Einmaleins mit Manne und Günther I

Das kleine Fußball-Einmaleins mit Manne und Günther II

EM-Hymne von Manne und Guenther

Manne und Günther: Futtemuffel 2008


CarpeBerlin Interview mit Manu Chao

CarpeBerlin Interview mit Axl Makana

Audios

Neu: die CarpeBerlin AudioGuides für Blinde und Sehbehinderte

Unerhörte Geschichten aus Friedrichshain

CARPE on air - Erich Thurner im Gespräch mit Radio F-Hain

Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park

Der Palast der Republik - ein umstrittener Ort

Hörspaziergang in Friedrichshain

Kreuzberg - Wo die Wilden Kerle wohnen

Kreuzberg - Ein Bezirk im Wandel

Kreuzberg 36 - Party und Nachtleben

Kreuzberg 61 - Party und Nachtleben

Kreuzberger Hotels - Wo man sich bettet

Charlottenburg - das Zentrum Westberlins

Hörspaziergang: An der Mauer entlang

Die Karl-Marx-Allee - Ehemals war sie Stalin gewidmet

Das Nikolaiviertel - Im historischen Herzen der Stadt

Die Schönhauser Allee mitten im Prenzlauer Berg

Rausch im Osten - Drogenkonsum in der DDR

Kitas: Das späte Erbe der DDR

Rosa Elefanten - Humor in der DDR

 

 

Gleichstellung

Gleichstellung

Metanavigation

Metanavigation

Logo Carpeberlin.com

Carpeberlin - being a visitor - not a tourist

© 2006-2008 Carpe Berlin