Audio: Kitas - das späte Erbe der DDR
Vieles war anders in der DDR. So war im Sozialismus das Verhältnis von Familie und Staat, Kindern, Männern und Frauen auch anders geregelt als iim Westen
In der DDR, dem anderen, von seinem Volk selbst beendeten Deutschland, war alles anders, und so wie jeder Staat die Familie als seine Keimzelle betrachtet, so war die familiäre Anschauung und ihre Praxis weniger als in der Bundesrepublik auf die finanzielle Versorgerfunktion des Mannes und die häusliche Ordnungskraft der Frau gerichtet.
In den Hochzeiten des Erfolges dieses Modells waren bis zu 92 Prozent der Frauen und Mütter erwerbstätig – damit ging eine entsprechend hohe staatliche Betreuungsdichte einher, die auch heute noch ihre Folgen zeitigt:
Frauen, die vor zehn Jahren aus Nordhessen zum Studieren nach Berlin kamen, hier Mutter wurden und dann, weil der Mann beim Bosch in Stuttgart eine Stelle bekam, da hingezogen sind, fallen in ein Betreuungsloch. Anders nämlich als hier kümmert sich dort die Oma ums Kind – oder die diplomierte Mama bleibt eben zu Hause. Die anderen, nichtdiplomierten, tun es ja auch.

Was in Baden-Württemberg nicht funktioniert (dort liegt die „flächendeckende“ staatliche Kinderbetreuung bei ganzen drei Prozent), ist hier dank DDR ganz anders: die damalige, Zetkin und Bebel bemühende Emanzipation von oben hat trotz des Absterbens des überlebten Staates eine Kultur erhalten, die alteingesessenen Schwaben obskur erscheint, den Jungen dagegen neue Möglichkeiten eröffnet.
So sehr sie aus der Not geboren war, so stark hat die damalige Familienpolitik zum Selbstverständnis der Frauen beigetragen: beides schultern zu können, nicht nur das Heimchen am Herde zu sein – und das kommt auch heute noch Frauen zugute: trotz Armut ist sich Berlin gut genug, Kita-Plätze umsonst und für jedes Kind bereitstellen zu wollen: wer keinen Mann hat, aber ein Kind, der hat es wirklich am besten hier.
Text: Guiseppe Profumo
Audio gelesen von: Manfred Fenner
Format: mp3
Länge: 2:30 min






























