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Carpeberlin - Being a visitor - not a tourist

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Freitag, 29. August 2008 14:01 • 

Von: carpeberlin

Das Russiche Kriegsmahnmal in Treptow

Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park: Lange Baumalllee mit bergrünter Freifläche in der Mitte von zwei Wegen begrenzt.

Mitten im Treptower Park befindet sich ein gespenstisches Monument nationaler Architektur des 20. Jahrhunderts. CarpeBerlin's Rundgang durch das Sowjetische Ehrenmal.

Im 84 ha großen, zwischen 1876 und 1887 von Gustav Meyer angelegten Treptower Park findet sich eine abgeschlossene, 10 ha umfassende Anlage: das Sowjetische Ehrenmal.


Der Rundgang durch das einzigartige Kriegerdenkmal wird am S-Bahnhof Treptower Park gestartet. Von dort aus empfiehlt es sich, die fünf Minuten bis zum Eingang des Geländes zu Fuß zu bestreiten: den rechten Ausgang der Zugangsunterführung beschreitend, wenden wir uns zunächst nach links, laufen 100 Meter entlang der Elsenstraße und biegen, nachdem wir sie überquert haben, links in die Puschkinallee ein. Nach exakt 400 Metern treffen wir auf den Eingang.

Das Ehrenmal wurde 1946 – 1949 nach Plänen des Architekten Jakow Belopolski und des Bildhauers Jewgeni Wuschetitsch gebaut. Der sowjetischen Ehrenmäler gibt es mit jenem im Tiergarten und einem in der Schönholzer Heide derer drei. Das in Treptow ist das zentrale und das Eindrucksvollste.
Es ist Mahnmal, Siegesdenkmal  –  aber auch ein Friedhof: fast 5.000 der rund 20.000 im Kampf um Berlin gefallenen sowjetischen Soldaten liegen hier.
Heutige Stimmen kritisieren die Bombastik der Anlage und sprechen von „Stalinkunst". In der Tat ist es ein exzellentes steingewordenes Zeugnis des damals wehenden Geistes. Das Ehrenmal hat dieser Tage etwas durchaus gespenstisches  - wird es doch nicht mehr, wie zu DDR-Zeiten, für Aufmärsche und Fackelzüge genutzt und eignet sich nicht wirklich zum ganz entspannten Spazierengehen . . .

Das weitläufige, axial-symmetrische Ensemble ist genau durchkomponiert  -   Skulptur, Architektur und Natur sollten zusammenwirken.
Die Ikone des Ehrenmals ist der Hügel mit der 11 m hohen Statue eines Sowjetsoldaten.

Die gesamte Anlage liegt in einem Rondell, das von Parkgestalter Gustav Meyer als Sportplatz in Form eines Hippodroms angelegt war.
Bei den internationalen „2+4 Verhandlungen“ zur deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 ließ sich die Sowjetunion den Bestand und die Pflege des Ehrenmals seitens der BRD auf ewig gewährleisten. Ferner darf es nur nach Zustimmung der früher Sowjetischen, jetzt Russischen Regierung verändert werden.

Wir können es von zwei Seiten betreten: von der Straße am Treptower Park und von der Puschkinallee. Für letztere Variante haben wir uns bereits entschieden.
Nach einigen Fussminuten entlang der zuvor beschriebenen Strecke kommen wir an einen halbrunden Platz. Einige Meter zurückgesetzt befindet sich ein knapp 15 m hohes granitenes Rundportal, eines der beiden Eingänge. Die Inschrift „Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind“ prangt auf der an einen Triumphbogen erinnernden Pforte. Hier beginnt der erste von drei Komplexen des Ehrenmals.
In diesem läuft man, hat man das Portal durchschritten, unter einer dichten Reihe von Linden wie unter einem Baldachin.
Nach 120 Metern tritt man auf einem lichten Vorplatz hinaus. In dessen Mitte befindet sich die Skulptur der „Mutter Heimat“. Wir sind hier im zweiten Komplex der Anlage und im Schnittpunkt der Alleen: einmal der Zugangsallee, von der wir kamen, zum anderen der Hauptachse des Ensembles. Diese hat an dieser Skulptur ihren Ausgangspunkt. Die Figur der „Mutter Heimat“ ist als sitzende und gebückte ältere Frau dargestellt. Sie trauert um die toten Kinder des Landes.
Wendet man sich aus der Richtung des Kommens  90 grad nach links,
erblicken wir in 370 Meter Ferne die erwähnte monumentale Figur des Befreiersoldaten auf dem H¸gel. Dieser wollen wir uns im Detail später zuwenden.
Beide Figuren sind in einem Spannungsverhältnis und in Korrespondenz zueinander angelegt.

Wir laufen jetzt auf der Hauptachse direkt in Richtung der Figur des Soldaten. Einhundert Meter schreiten wir auf einem 3.50 Meter ansteigendem Weg  -  und je weiter wir steigen, desto mehr wird von dem Soldatenmonument in seiner ganzen Dimension sichtbar. Der Weg wird von dicht gestaffelten Pappeln gesäumt. Diese sollen, der Idee nach, den Schritt des Besuchers rhythmisieren. Zu beiden Seiten der Pappelpromenade gibt es je einen Seitenweg, ganz außen begrenzen Linden die Anlage.
Während des Aufstiegs wird der Blick auf die Statue von einer portalähnlichen 30 Meter breiten Konstruktion eingerahmt. Zunächst wirken die dreieckigen, 14 Meter hohen und 25 Meter breiten Gebilde zu beiden Seiten wie Schanzen –  ; beim Näherkommen kann man mit etwas Phantasie erkennen, was gemeint sein soll: es handelt sich um zwei stilisierte, gesenkte Sowjet-Fahnen. Sie sind aus rotem polierten Granit gefertigt. Beide haben vertikale Falten und bieten mit den Zacken an ihren oberen Enden einen futuristischen Anblick.
Wenn wir jetzt das Fahnenmassiv erreicht haben, erblicken wir zu beiden Seiten der Fahnen zwei je etwa 2 Meter messende Figuren von knienden Soldaten. In der linken Hand halten sie den Stahlhelm, die Rechte stützt sich auf die Maschinenpistole.
Von diesem ersten Höhepunkt der Anlage aus erblicken wir zum ersten Mal den niedriger gelegten dritten Komplex: den so genannten Ehrenhain. Er ist das eigentliche Zentrum der Anlage. An dessen Ende thront in einer Entfernung von 270 Metern der mehrfach erwähnte H¸gel mit der Statue des Befreiersoldaten.
Kurz hinter den Fahnen befinden wir uns auf der Terrasse. Von hier aus sieht man zwischen uns und dem Hügel 5 hintereinander gestaffelte etwa 12 x 16 Meter große Rasenfelder. Sie werden von Granitkanten und niedrigen, dichten Ligusterhecken eingefasst. Es handelt sich um Gemeinschaftsgräber. Es konnten jedoch nur einige wenige Gefallene hier ihre Ruhestätte finden, die Grundwasserverhältnisse ließen nichts anderes zu. Mosaikwege säumen die Grabfelder.
Jeweils knapp 30 Meter zur linken wie zu rechten der Rasenfläche finden sich parallel zur Hauptachse jeweils 8 Sarkophage. Sie sind 12 qm groß und aus Kalkstein. Der Abstand zwischen ihnen beträgt jeweils 34 Meter. Auf Ihnen finden sich teilweise 10 cm tiefe Reliefs. Dargestellt wird der Krieg in seinen verschiedenen Phasen. Das Kuriosum: an jeder Stirnseite liest man ein zur dargestellten Szene passendes Zitat von Josef Stalin. Die Sarkophage auf der rechten Seite haben deutschen Text, die zur Linken russischen.
Gingen wir statt an den Sarkophagen entlang in Richtung Hauptmonument hinter sie, würden wir über 3 Treppenstufen die hohen gestaffelten Platanen am eisernen Zaun der Anlage erreichen. Hier, unter diesen Bäumen, befinden sich die eigentlichen Grabstätten der Soldaten.
Beim sechsten Sarkophags haben wir die Höhe des kegelförmigen Hügels erreicht. Wir wechseln also wieder auf die Hauptachse und erreichen die Treppe des 30 Meter hohen Monuments. Es besteht aus dem Hügel, dem darauf stehenden kleinen Pavillon und der Bronzefigur obenauf.
Diese zeigt einen 11 Meter hohen, 70 Tonnen schweren, stehenden und in die Ferne blickenden Soldaten. In der rechten Hand hält er ein Schwert nach unten. Damit hat er gerade ein Hakenkreuz zertrümmert. In seinem linken Arm hält er ein kleines Kind. Dieses Motiv hat einen verdeckten Bezug zu Madonnendarstellungen. 
Derartige kegelförmige Gedenkanlagen hatten in der Sowjetunion Tradition  - man nennt sie Kurgane. Das Fundament und der Sockel dieses Kurgans wurden teilweise aus den Tr¸mmern von Hitlers Neuer Reichkanzlei gebaut.
Nimmt man nun die knapp 50 Treppen nach oben, erreicht man den kleinen Pavillon direkt unterhalb der Figur und einen dreißig Schritte messenden Rundweg. Wir machen einen kurzen Umlauf und sehen auf der Rückseite des Monuments, wie die Anlage des Ehrenmals an ihrem Kopfende einen weiten Rundbogen macht. Die den gesamten Ehrenhain einfassenden Platanen säumen den Begrenzungszaun. Die ursprüngliche Rondell-Form des alten Areals wird noch einmal deutlich.
Wieder an der Vorderseite lugen wir durch die Gitterstäbe des schmalen Innenraums des Pavillons, des Mausoleums. Man sieht ein farbiges und sehr feierlich wirkendes Wandmosaik. Es zeigt 16 Personen verschiedenen Alters und in verschiedener Haltung und soll die Vielfalt der Trauernden symbolisieren. über dem Mosaik läuft ein Schriftband in russischer Sprache und darüber ein anderes mit der deutschen Übersetzung des Stalin-Zitats:
“Heute erkennen alle an, dass das Sowjetvolk durch seinen aufopfernden Kampf die Zivilisation Europas vor den faschistischen Pogromhelden gerettet hat. Darin besteht das große Verdienst des Sowjetvolkes vor der Geschichte der Menschheit“ heißt es da.
Inmitten des Mausoleums lag ursprünglich einmal ein Sockel mit dem so genannten Ehrenbuch. Darin waren, soweit bekannt, die Namen der gefallenen Soldaten aufgelistet. Heute findet sich nur noch dessen Nachbildung.
Direkt unter der Decke schließlich wurde ein Siegesorden in Form eines Sternes angebracht.

Wenn wir unsren Blick nun aus dieser Gedenkhalle wenden und wieder nach draußen blicken, so ¸berschauen wir das Sowjetische Ehrenmals von seinem höchsten Punkt. Die Bäume drum herum sind sehr dicht und verstärken den abgeschotteten Charakter der Anlage. Einzig der Fernsehturm vom Alexanderplatz und einer der „Trep-Towers“ mit dem Schriftzug einer Versicherung ist sichtbar. Während unseres Rundgangs sind wir etwas aus der Zeit gefallen  -   diese sind die ersten Anhaltspunkte unserer heutigen Zeit, 60 Jahre nach Ende des Krieges und einer Gedenkkultur, die noch ganz unter dem Eindruck dieses Krieges stand.

Text: Albert Pank
Gelesen von Manfred Fenner

Länge: 11:50 Minuten (27.09 MB)Format: MP3 Stereo 44kHz 320Kbps (CBR)


Keywords: Audioguide, Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park, Transkription, Ehrenmal, Geschichte, Treptower Park

Kommentare

Kroky, 14-09-08 20:15:
Sehr informativ ihre website. Ich stelle ihnen gerne meinen Videoclip zur verfügung. www.youtube.com/watch?v=x4-DgYL7vrs

Liebe Grüsse Kroky

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