Summertime in Berlin: Porgy und Bess
Ein Grund zur Freude- Porgy und Bess sind wieder da. Diese hervorragende Inszenierung, die nun in der Deutschen Oper zu erleben ist, wird nicht nur unter Opernliebhabern geschätzt.
Ein warmes, gedämpftes Licht verbreitet sich auf der Bühne; es herrscht eine lässige Abendstimmung. Vor den Häusern stricken schwarze Hausfrauen, die mit ihren Gewändern und Kopfbedeckungen alle ein wenig an Tante Jemima erinnern. Oben auf der Terrasse sitzt eine ältere Dame im Schaukelstuhl und liest aus der Bibel. Clara, die Frau des Fischers Jake, versucht ihr Baby sanft in den Schlaf zu singen. Ein Wiegenlied erklingt aus den Lippen der unbekümmerten Mutter: „Summertime“, wohl die bekannteste und populärste Arie aus George Gershwins Oper Porgy und Bess.
George Gershwin konzipierte diese Oper nämlich als „Volksoper“, die nicht nur für die gebildeten Operngänger, sondern für die breite Masse zugänglich sein sollte . Selbst das besondere Berliner Lebensgefühl kann man ein wenig in dieser Oper wiederfinden, zumindest wenn Porgy freudig singt: „I got plenty of nutin‘, and nutin‘ is plenty for me“. Doch noch wichtiger ist: dies ist die Geschichte einer unmöglichen Liebe; die Geschichte von mangelnden Chancen und wenigen Hoffnungen- welches Herz fühlt sich da nicht angesprochen?
Gershwins Oper, die sich hauptsächlich mit dem Leben afroamerikanischer Fischer und Baumwollpflücker in Catfish Row/ South Carolina beschäftigt, lässt stark naturalistische Elemente erkennen. Ihrer Hautfarbe wegen sind die Bewohner von Catfish Row im Süden Amerikas arm und Leben am Rande der Gesellschaft. Clara und Ihr Mann Jake suchen den sozialen Aufstieg; Bess, eine attraktive junge Frau, die wegen ihrer promiskuitiven Lebensart verachtet wird, versucht ihrer Drogensucht zu entkommen, und Porgy, der wegen seiner gelähmten Beine als Bettler leben muss und nicht als Mann angesehen wird, wünscht sich nichts mehr als ein glückliches Leben mit Bess. Doch keinem der Protagonisten gelingt es, sein Ziel zu erreichen. Die Geschichte von Clara und Jake nimmt eine tragische Wende; auch Porgy und Bess können ihrem Schicksal nicht entkommen.
Jedes Mal wenn ein weißer Polizist die Bühne betritt, wird dem Zuschauer die vorgegebene Hierarchie in dieser Gesellschaft klar. Eben diese Realität- die Diskriminierung von Menschen wegen Ihrer Hautfarbe- veranlasste Angelo Gobbano, Dirigent der Cape Town Opera, „Porgy and Bess“ im südafrikanischen Kontext neu zu inszenieren. Gerade während der schlimmsten Apartheid Phase in den siebziger Jahren ähnelte die Realität der Menschen in Südafrika die der Catfish Row Bewohner in „Porgy and Bess“.
Nun hat die Operncompany aus Kapstadt das Ziel, die Oper auf dem afrikanischen Kontinent zu fördern und auch den Künstlern internationale Auftrittsmöglichkeiten – unter anderem jetzt in Berlin- zu bieten. Das ist noch ein Grund für einen Besuch in der Deutschen Oper in Charlottenburg; immerhin erlebt man hierzulande nicht jeden Tag Opern aus Südafrika.
Kraftvolle Stimmen, brillante Inszenierung- auf jeden Fall ein heißer Sommertipp!
The Gershwins: Porgy and Bess
Musikalische Leitung Willie Waters / Joseph Mechavich; Inszenierung Angelo Gobbato; Bühne, Kostüme Peter Cazalet; Licht Mannie Manim; Choreographie Maxwell Rani; Chöre Albert Horne
Mit Xolela Sixaba / Fikile Mvinjelwa, Janinah Burnett / Tsakane Valentine Maswanganyi / Marquita Lister, Kaiser Nkosi / Otto Maidi, Michelle Saldanha / Nkosazana Dimande, Aubrey Lodewyk, Philisa Sibeko / Pretty Yende, Victor Ryan Robertson / Phandulwazi Maseti, Miranda Tini / Noluthando Millie; Cape Town Opera Voice of the Nation Chorus; Orchester der Deutschen Oper Berlin / Berliner Symphoniker
Deutsche Oper Berlin
Bismarckstraße 35
U: U2, Deutsche Oper
Vorführungen bis 1.08., täglich um 20 Uhr, außer Montag
Tickets an 35 Euro
Keywords: Volksoper, Musik, Deutsche Oper, Gershwin, Cape Town Opera, Apartheid, Gobbano





























