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Montag, 09. Juni 2008 16:39 • 

Von: Relikte der DDR

Schwule und Lesben damals

Regenbogenbär

Relikte der DDR 16/20

Nicht nur im Titel beziehe ich mich auf den ersten Teil des Tryptichons „Rosa Elefanten“, denn erstens gab es analog zu den Drogen in der offiziellen Lesart keine homosexuellen Weltrevolutionäre, zweitens ist der „pink elephant“ das heimliche Wappentier der lesbischen und schwulen US-Republikaner. Wie man zugleich homosexuell und Republikaner sein kann, ohne eine innere Materie-Antimaterie-Explosion zu verursachen, zeigt ansatzweise vielleicht Guido Westerwelle. Eventuell fungiert das Wort „liberal“, gründlich mißverstanden, als Eindämmungsfeld.


Es fing an, wie es aufgehört hatte: der Magistrat von Ost-Berlin verweigerte Rosa-Winkel-Häftlingen die Anerkennung als „Opfer des Faschismus“. Bis 1957 kam der nationalsozialistisch verschärfte Paragraph 175 zum Einsatz, der Homosexualität und „widernatürliche Unzucht mit Tieren“ strafrechtlich auf eine Stufe stellte. Das ist allerdings kein typisches DDR-Phänomen, nicht mal ein deutsches. Auch in Großbritannien nennt man vor allem Schwule heute noch „Sodomisten“. Im folgenden aber lockert die Gesetzgebung die Fesseln: ab 1957 als „in weiten Teilen geringügig“ angesehen und „weitherzig“ zu beurteilen, erstreckt sich die Strafbarkeit ab 1968 auf Verkehr mit Jugendlichen gleichen Geschlechts. Zum ersten Mal wird damals also auch an lesbischen Sex gedacht. Immerhin.

Freizügige DDR: Volle Bürgerechte für Schwule

Die insgesamt bei aller Hausbackenheit sexuell recht freizügige DDR erhebt „homosexuelle Handlungen“ 1987 de facto in den Stand der Legalität mit der Begründung, daß „Homosexualität ebenso wie Heterosexualität eine Variante des Sexualverhaltens darstellt. Homosexuelle Menschen stehen somit nicht außerhalb der sozialistischen Gesellschaft, und die Bürgerrechte sind ihnen wie allen anderen Bürgern gewährleistet.“

Schneller ging es de jure auch im Westen nicht, er hinkte sogar hinterher: in der wiedervereinigten Republik hielt sich sogar noch bis 1994 der Paragraph 175 in einer abgemilderten Form von 1973.
Unterschiede gab es im täglichen Leben: was zumindest Flüchtlinge aus dem bayerischen Wald und andere Städter ab 1968 in der Bundesrepublik konnten, nämlich auf die Meinung ihrer Nachbarn zu pfeifen, war in der mit Spitzeln durchsetzten DDR nicht so ohne weiteres möglich.

Eine besondere Rolle in der Wahrnehmung sexueller Selbstbestimmung spielt Charlotte von Mahlsdorf, auf die auch die heutige Gemeinde noch stolz ist und deren Autobiographie hier Erwähnung finden soll:
von Mahlsdorf, Charlotte: Ich bin meine eigene Frau. München: dtv, 1995. ISBN 3423120614.

Text: Giuseppe Profumo

Bilder von damals haben wir nicht gefunden. Einige aktuelle Schnappschüsse zu Homosexualität in Berlin haben wir aber.


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