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Dienstag, 31. März 2009 14:12 • 

Von: Nicolas Flessa

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Porn for the Blind

Porno für Blinde

Anti-Diskriminierung auf US-amerikanisch: wie es der non-profit Organisation „Porn for the Blind“ gelingt, schlüpfrige Filme für Sehbehinderte greifbar zu machen.

Laut einer Studie des ZDF aus dem Jahr 2007 leiden rund 1,7 Prozent der deutschen Erwachsenen unter schwerem oder hochgradigem Hörverlust. Um auch seinen tauben Zuschauern einen möglichst umfassenden Filmgenuss zu ermöglichen, verwendet der Sender bereits seit Jahren Untertitel, die neben den Dialogen auch Geräusche und musikalische Einspielungen im Text vermerken. „ Die Anforderungen an die redaktionelle Umsetzung,“ so das ZDF, „sind dabei sehr unterschiedlich: Vereinfachende Untertitelung, wortgetreue Untertitelung und der Transfer von Stimmungen sind die typischen Präferenzen.“

Gegenläufige Probleme haben die in Deutschland lebenden 155.000 blinden und 500.000 sehbehinderten Zuschauer. Auch sie, so die Deutsche Hörfilm gGmbH, nutzen Filme und Fernsehen als zentrales Unterhaltungsmedium. Durch die so genannte Audiodeskription wird der Film zum Hörspiel. „Akustischen Untertiteln vergleichbar, beschreibt eine Audiodeskription in knappen Worten zentrale Elemente der Handlung sowie Gestik, Mimik und Dekors.“ Diese Bildbeschreibungen werden in der Regel zwischen den Dialogen platziert.

So weit, so gut. Doch was tun, wenn die Filme, die man als Blinder sehen möchte, nicht gerade dem Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender unterliegen? In den USA hat man für solche, nicht-jugendfreie Werke nun Abhilfe geschaffen: Getreu dem Motto „Audiodeskription ermöglicht kulturelle Teilhabe“ hat es sich die nicht-kommerzielle Internetseite pornfortheblind.org zur Aufgabe gemacht, abseits blinkender Bildchen und stöhnender Frauen am Seitenrand pornographische Filme mit Audiokommentaren zu versehen.

Dass es sich trotz des schlüpfrigen Inhalts der Streifen nicht um vulgäre Texte handelt, sondern eher um Beschreibungen, die durchaus auf öffentlich-rechtlichen Sendeplätzen Anwendung finden könnten, macht folgendes Beispiel deutlich: “Die Website ist rosafarben. Rechts oben ist ein Bild von einer geöffneten Vagina. Daneben das Logo der Site. Daneben steht ein Mann mit einem sehr großen Penis. (...) Die Frau fasst dem Mann an den Schaft. Sie hat sehr große Brüste.”

Wer nun glaubt, dieser „Porn for the Blind“ klinge zu trocken und uninspirierend, um Absatz zu finden, versuche einmal selbst sein Glück auf pornfortheblind.org. Seit ihrer Freischaltung ist die Domain chronisch überlastet. Statt von großen Brüsten und sehr großen Penissen hört man dort nun von den fleischlichen Bedürfnissen technischer Ausstattungsgegenstände: „Webserver is out to lunch. Will return shortly.“

Weniger ernst gemeint - der Porno für den blinden Hip Hopper:


Keywords: Porno, Blinde, Audiokommentar, Audiodeskription, ZDF, Hörgeschädigte, Sehgeschädigte, DHG

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