Ein umstrittener Ort - der Palast der Republik
Beim so genannte Rückbau des Palast der Republik, handelt es sich um den Abriss des ehemaligen Regierungsitzes der DDR. Manche vermuten, dass die BRD von der Geschichte des anderen Deutschlands nichts mehr wissen will, andere warnen vor dem Asbest in der Bausubstanz des Palastes.
Über ihn, dessen Schicksal besiegelt ist, zu schreiben, ist prekär. Nicht allein weil er zwischen seinen Verteidigern und Gegners einen solchen Zankapfel darstellt, sondern schlicht weil er derzeit in einem prekären Stadium anzutreffen ist: er ist im „Rückbau“ befindlich, so die reichlich euphemistische Sprachregelung für den Vorgang, der mit Abriss unmissverständlicher beschrieben ist. W a s also träfe der Besucher an diesem Orte an, von dem hier doch eigentlich treulich vorberichtet werden sollte?"Rückbau" statt Domkatapult: Dekonstruktivimus im Berliner Sumpf
Obwohl „Rückbau“ dann in einem anderen Sinn wieder stimmig wäre: nicht zur Verschleierung eines irreversiblen Vorgangs, sondern die zahme Vorgehensweise betreffend, mit denen die Arbeiter den Bau buchstäblich abtragen. Man hat uns nämlich erklärt: mit Abrissbirne vorgegangen, kommt die Statik des ganzen umliegenden Terrains ins Rutschen, den Palast müsse man sich wie auf einer Seite einer Wippe befindlich denken. Und der Dom daneben, ohne seinen Counterpart . . . versackt wie der Turm zu Pisa oder katapultiert sich in die Luft, direkt auf das schöne Nikolaiviertel druff oder so ähnlich.
Man kann es also drehen und wenden wie man will: sei es durch die Drohung, im Zuge seiner Destruktion die Umgebung kollateral zu schädigen, sei es durch die (für den erbitterten Gegner des Gebäudes) quälend lange Zeit, in welcher der Bau i m m e r noch am Platz zu sehen ist, einfach, weil er nur Stein für Stein abgetragen werden kann - der Pallazzo Prozzo nimmt diskrete Rache an seinen Gegnern.
Das etwa nachts Spaziergänger aus den wehenden Planen um das eingerüstete Objekt dämonisches Lachen von der lokalen Schutzgottheit des Palastes vernommen hätten, ist noch nicht überliefert. Das allerdings würde nach den vergangenen Fehden auch nicht mehr Wunder nehmen.
DOCH GENUG, die Daten bitte:
Als Sitz der Volkskammer und als Kulturhaus für freilich staatstragende Ausrichtungen im Jahre 1976 fertig gestellt und eröffnet. Das im Krieg schwer beschädigte Stadtschloss wurde 1950 auf Weisung Ulbrichts gesprengt. Der Ort wurde zu DDR-Zeiten vornehmlich als Aufmarschplatz „zwischengenutzt“.
Nach der Wende 1989 war der Palast, insbesondere wegen seiner Asbestverseuchung, verwaist. Erst dekontaminiert, dann entkernt, harrte er bis 2003 einer Entscheidung über seine Zukunft. Der Bundestag senkte die Daumen, der Abriss war beschlossene Sache.
Bis zum Beginn der Abrissarbeiten drei Jahre später fand die mittlerweile legendäre „Zwischennutzung“ statt. Die wechselnden Kunstprojekte und Konzerte, der dort nächtlich „tagende“ Techno-Club „WMF“, alle mit sicher mehr oder weniger starkem expliziten Bezug zum Palast schafften es tatsächlich, die Stätte „tanzbar“ zu machen. Das heißt: sie zu entern, zu kapern und in spielerischem Weise die Bezüge freizulegen, die zu diesem Ort hinführen und über ihn hinausweisen.
Stadtschloß, Fassade oder Parkplatz?
Doch 2006, als die Bagger anrückten, hatte es sich endgültig ausgetanzt. Die Entscheidung für den Abriss sollte eine Entscheidung für das Stadtschloss werden. Als absehbar wurde, dass die Rekonstruktion des Schlosses doch weniger realistisch sein würde als zuvor ausgemalt, wurde nicht noch einmal getagt, sondern die Vorbereitungen für den Abriß forciert. Damit trat zutage: Schloss oder nicht, der Palast soll weg, und sei es für einen Parkplatz (dieser ist nach neuestem Stand der Diskussion tatsächlich gut im Rennen)
Diese Entscheidung von Seiten der Politik hinterlässt einen durchaus schalen Geschmack. „Warum?“ fragen die, die den Palast schlicht hässlich fanden und die DDR hassenswert.
"Geschichte ist Hohenzollernherrlichkeit. Das ist ahistorisch."
Vielleicht, weil es die DDR gab und das Gebot lautet „Du sollst Deine Vergangenheit nicht verleugnen“. Man kann die Einlassung von Wolf R. Eisentraut, dem Architekten und sicherlich in dieser Angelegenheit befangen, wohl nicht pauschal beiseite wischen. „Mir geht es um den Geist dieses neuen Deutschland, und Berlin ist der Testfall. Man behauptet, Geschichte wiederzufinden, wenn das Schloss zurückkehrt. Man legt fest: Geschichte ist Hohenzollernherrlichkeit. Das ist ahistorisch. Wir tragen zwei deutsche Weltkriege, und seitdem hat wiederum Geschichte stattgefunden“, erklärte dieser gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“.
Die „ortlose Mitte der Berliner Republik“, wie sie im selben Blatt charakterisiert wird, bleibt. Und um die beiden derzeit favorisierten Lösungen aufzugreifen: Ein Parkplatz oder ein „Grünelement“, beides würde passen, um sie als eine solche zu erhalten.
Text: Albert Pank
Gelesen von: Manfred Fenner
Länge 5:33 Minuten (5.09 MB)
Format: MP3 Stereo 44kHz 128Kbps (CBR)
































