Neuerscheinung: Ist doch ein geiler Verein. Reisen in die Fussballprovinz
In den unteren Ligen schreibt der Fußball die schönsten Geschichten. Sie handeln von verarmten Mäzenen, von kleinen Vereinsfamilien, großen Vergangenheiten und noch größeren Leidenschaften. Sie spielen aber auch in Gegenden, wo die NPD das Sagen hat. Christoph Ruf, Redakteur bei SPIEGEL ONLINE , machte sich auf den Weg und fand dort, wo die Fernsehkameras nur selten Halt machen, quicklebendige Fanszenen.
In Bayreuth spenden sie Brusthaar, in Altona hat ein Fan seine eigene Anzeigentafel auf dem „Zecken-Hügel“, in Göttingen gibt es einen Fan-Verleih und in Halle eine 85-Jährige, die lieber die B-Jugendlichen ihres Vereins begleitet als sich mit Gleichaltrigen über ihre Wehwechen auszutauschen. Eine Rundreise von TeBe Berlin und Dynamo Dresden über den KFC Uerdingen zu Waldhof Mannheim, wo ein ehemaliger Profi heute hinterm Grill des Vereinsheimes die Souflaki wendet. Von dort aus geht es weiter nach „Badisch-Sibirien“ zum SC Pfullendorf, ehe der Rückweg bei über einem Dutzend weiteren Vereinen und den Menschen, die ihn prägen, vorbeiführt. Rechtzeitig bevor eine Ligareform – bislang weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit –zwischen Liga Drei und Sechs vielen Traditionsvereinen den Garaus machen dürfte, erscheint Rufs vortreffliches Lesebuch. Über 100 Jahre nach der Gründung dürften mancherorts bald die Lichter ausgehen – auch weil das Publikum scheinbar nur noch das schätzt, was es täglich im Fernsehen sieht.
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