Nachtleben im Prenzlauer Berg
Während das Nachtleben in Mitte in den letzten Jahren tendenziell glamouröser wurde, besticht der Prenzlauer Berg weiterhin mit gediegenem Underground. CarpeBerlin's Guide zu Prenzl'berg by night.
Das „Icon“ in der Cantianstrasse 15 existiert schon seit Mitte der 90er Jahre. Innen Backsteingemäuer, unverputzt, die Räume hoch – das wirkt schon sehr kathedralenhaft. Musikalisch ist man eher elektronisch unterwegs, bemüht, nicht in den Verdacht zu geraten, für zickige House-Sounds zu sorgen. Vormals ein Drum n’ Bass –Tempel, legt man auch heute wert darauf, einen „progressiveren“ Sound zu bieten. Stichwort: minimal. Aber auch etwa Ragga und Hip-Hop. Was minimal angeht, hat auch die „Zentrale Randlage’“ in der Schönhauser Allee 172 mitzureden. Hier gastieren häufig avantgardistische Musiker aus der elektronischen Ecke. Sie kommen aus Katalonien, Korea oder Chile. Zum Beispiel. Die Macher hier sind außerordentlich gut vernetzt. Man spielt zum Konzert auf und die Gäste lauschen andächtig – oder aber es wird aufgelegt und das Große Hopsen hebt an. Die Räumlichkeit allein ist einen Besuch wert: es handelt sich angeblich um die ehemalige Kantine des Instituts für Agrarwissenschaften oder so ähnlich. Durch die Klappe der Essensausgabe wandert heute die Flasche Pils. Ex-zel-lent gelöst. Der „Duncker-Club“ in der Dunckerstrasse 64 ist eine solide Adresse für Abende jenseits der Elektronik. Im „Duncker“ ist es stets relativ voll, Lederjacken tummeln sich und signalisieren street-credibility. Auch diesen Laden gibt es schon seit einer halben Ewigkeit. Richtig im Gespräch war er nie – es gab ihn halt immer. Er war billig und wenn man Lust auf einen Abend mit nicht-anstrengenden ungezwungenen Leuten hatte, dann war man hier richtig. Live-Bands und DJ-Handwerk ist hier gleichermaßen Raum gewährt.

Auf dem Gelände der „Kulturbrauerei“ finden sich die „Alte Kantine“ und das „Kesselhaus“. Beides wohlfeile Konzertadressen, DJs rücken ebenso an, allerdings nicht die ganz großen acts. Wer es aber gern nicht so überkandidelt hat, ist hier so falsch nicht.
Glamouröser ist das Treiben dann im edlen „Soda-Club“ (ebenfalls auf dem Gelände der Kulturbrauerei). Das Ambiente ist wirklich sehr stylish, aber eben auch gelungen. Nicht jedermanns Sache, aber was die Betreiber sich vorgenommen haben, dass haben sie umgesetzt. Das Publikum ist vielleicht etwas Mainstream. Der Musikstil variiert je nach Abend: mal House, mal Latin.
Die „Neue Berliner Initiative“ (aka „nbi“) ist nach erneutem Umzug ebenfalls auf dem Gelände der Kulturbrauerei gelandet. Eine Gruppe von sehr umtriebigen, mit dem internationalen Underground sehr gut vernetzten Betreibern karrt ständig neue interessante live-acts heran. Das Spektrum ist sehr, sehr breit, es kann einem wahrlich alles unterkommen. Nur an manchen Abenden nicht: da absentieren sich dann die Damen und Herren Musiker und es findet statt – eine Lesung. Oha. Mit Pop-Autoren wie Joachim Lottmann etwa.
Das „Bastard“ in der Kastanienallee 7 schließt direkt an die „Prater“-Bühne an, eine Dependance der Volksbühne. Hier geht es dann gerne auch mal etwas wilder und ungeschliffener zu. Für die Qualität bürgt allein die Marke „Volksbühne“. Die Leute aus dem Einzugbereich der Theater wussten schon immer zu feiern. Die Nächte im „Bastard“ haben uns niemals dazu verleitet, etwas Gegenteiliges zu behaupten.
Der „Geburtstagsklub“ (Am Friedrichshain 33) steht so bisschen im Geiste der heimeligen Grottigkeit, mit Glam-Faktor. Sympathisch eigentlich. Das Publikum sieht jedoch mehr und mehr aus wie: vom Lande. Tendenziell zumindest.
Das „Steinhaus“ in der Straßburger Strasse 55 ist gemütlich, nicht überkandidelt – und preist sich selbst als „abwechslungsreich“. Können wir bestätigen. Heißt dann aber auch: dem Profil dieses Clubs eignet eine gewisse Unschärfe. Es soll halt jedem gefallen.
Auf der Greifswalderstrasse schließlich: der „Knaack-Club“ in Hausnumero 224. Eine der ersten Adressen für Konzerte, die Atmosphäre ist rockig, erdig, der Fußboden hoffnungslos von Bier getränkt. Denen, die genau d a s mögen, wird das „Knaack“ eine Wonne sein.
Der benachbarte „Magnet-Club“ in der Greifswalderstraße 212 wird von einer ähnlichen Klientel frequentiert. Insbesondere diejenigen, die das Ausgehen mit dem Besuch einer Live-Kapelle verbinden, sind hier, je nach Band natürlich, gut aufgehoben.

































