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Die AudioGuides von CarpeBerlin bieten alternatives Stadterleben - nicht nur für Blinde und Sehbehinderte! Neben Stadtführungen zu historischen und architektonischen Themen gibt es kulturelle Tipps und Hinweise für das Nachtleben der Hauptstadt.
Im Gegensatz zur Panorama-Bahn, die eine feste Route verfolgt und zudem an gewisse Jahreszeiten gebunden ist, werden die von CarpeBerlin entwickelten AudioGuides für jede öffentliche Strecke Berlins, egal ob S-Bahn, Trambahn oder Bus, verfügbar sein.
Eine Weltneuheit stellt die Generierung der Daten per GPS da. Dies ermöglicht dem Endgerät ganz konkret, beim Einsteigen in ein Fahrzeug der BVG ohne weitere Handgriffe auf den richtigen Audiofile zuzugreifen und sofort mit der Führung zu beginnen. Inhaltlich bieten die AudioGuides von CarpeBerlin, dem Profil der Seite entsprechend, einen historischen und soziokulturellen Blick hinter die Gardinen der Stadt und hinter ihre offizielle Geschichtsschreibung.
Wie bereits angekündigt, werden nach und nach - mit freundlicher Unterstützung der GDB (Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde) - AudioGuides zu den schönsten Routen und den wichtigsten Themen der Stadt zum Download auf CarpeBerlin angeboten. Nach der Buslinie 100, die bereits großen Anklang gefunden hat, widmen wir uns diesmal einer Führung rund um die Stadt - auf den Gleisen der Ringbahn.
Hier - zum Vorgeschmack - vier Stationen der Ringbahn im Transskript: Von der Frankfurter Allee bis zum S-Bahnhof Sonnenallee, übrigens ziemlich genau jene Strecke, die beim Ausbau der A100 in unmittelbarer Umgebung der neuen Autobahntrasse liegen würde (siehe auch: Stop A100).
S-Bahn-Station Frankfurter Allee
Die S-Bahnstation Frankfurter Allee ist die geographisch am östlichsten gelegene Station auf dem Berliner S-Bahn Ring. Sie liegt im Stadtteil Friedrichshain. Die Frankfurter Allee ist die zentrale Ost-Westverbindung und zugleich Teil der Bundesstrasse 1. Im Westen, Richtung Alexanderplatz, geht sie in die Karl-Marx-Allee über; im Osten führt die Bundesstrasse 1 durch Brandenburg zur polnischen Grenze. Die Frankfurter Allee wird auf ihrer gesamten Länge von der U-Bahnlinie 5 befahren.
Im April 1945 rückten die Panzer der Roten Armee über die Frankfurter Allee Richtung Stadtmitte vor. Vier Jahre später, zum 70. Geburtstag von Stalin, wurden die Straße und die S-Bahnstation nach dem sowjetischen Parteichef benannt. Seit 1961 trägt sie wieder den alten Namen Frankfurter Allee.
Vor der Station befand sich ein Güterbahnhof. Hier wurden seit den 1970er Jahren Container verladen. Nach dem Fall der Mauer wurde die Anlage außer Betrieb genommen. Allein die Straße „Am Containerbahnhof“, nördlich der heutigen S-Bahnstation, erinnert an die alte Güterstation.
Direkt an der Kreuzung Frankfurter Allee / Storkower Straße liegt ein großes Einkaufszentrum, das Ring Center. Es wurde Mitte der 90er Jahre eröffnet und war damit eine der ersten Shopping Malls nach amerikanischem Vorbild. Inzwischen finden sich solche Einkaufszentren mit mehreren Dutzend Geschäften in jedem Stadtteil Berlins. Das Ring Center wurde inzwischen mehrfach erweitert. Auf einer Fläche von fast 40.000 qm befinden sich dort mehr als 120 Geschäfte. Das Eingangsgebäude der S-Bahnstation, ein denkmalgeschützter Backsteinbau aus dem späten 19. Jahrhundert, verschwindet geradezu hinter den riesigen, glatten Fassaden des Shoppingcenters.
S-Bahn-Station Ostkreuz
Der S-Bahnhof Ostkreuz ist die am stärksten frequentierte S-Bahn-Station Berlins. Schätzungen zufolge steigen hier täglich bis zu 140.000 Menschen aus oder um. Am Ostkreuz trifft die Ringbahn auf die zentrale Ost-West-Verbindung, die so genannte Stadtbahn. Insgesamt halten die Züge von neun verschiedenen Linien an dem Bahnhof. Für Fahrgäste, die hier nicht regelmäßig verkehren, ist die Orientierung nicht leicht. Die gesamte Anlage ist verwinkelt und unübersichtlich. Wenn man am Ostkreuz umsteigen will, so muss man häufig Treppen steigen und Bahnsteige wechseln.
Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich hier in Friedrichshain, nördlich der Spree, ein Umsteigebahnhof. Ursprünglich hieß die Station Stralau-Rummelsburg. In "Ostkreuz" wurde sie 1933 umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Bahnhofsanlage zunehmend. Der Reichsbahn, Betreiberin der Berliner S-Bahn, fehlte das Geld für eine Modernisierung des Bahnhofs. Mehrere bereits ausgearbeitete Sanierungspläne konnten deshalb nicht realisiert werden. Aus Sicherheitsgründen durften Züge zeitweise nur im Schritttempo die Anlage passieren. Im Volksmund wird der Bahnhof aufgrund des maroden Zustands als „Rostkreuz“ bezeichnet.
Doch das soll sich ändern. Die Deutsche Bahn als Betreiberin der Berliner S-Bahn baut das Ostkreuz grundlegend um. Es ist eines der größten Bauvorhaben im öffentlichen Nahverkehr Berlins. Die Arbeiten werden mehrere Jahre dauern und hunderte Millionen Euro kosten. Der Umbau soll bei laufendem Betrieb erfolgen. Wenn der Umbau abgeschlossen ist, dann wird das Aus- und Umsteigen am östlichen Verkehrsknotenpunkt deutlich einfacher und bequemer.
S-Bahn-Station Treptower Park
Die Ringbahn fährt weiter nach Süden und passiert auf der linken Seite den Rummelsburger See. Der Rummelsburger See, auch Rummelsburger Bucht genannt, ist Teil eines Spreearms im Bezirk Friedrichshain. Die Bucht wird von der Halbinsel Stralau umschlossen. Im Mittelalter war Stralau ein Fischerdorf. Im 19. Jahrhundert siedelten sich Industrieanlagen auf der Halbinsel an, darunter auch große Glashütten. Die Anlagen sind weitgehend verschwunden. An die industrielle Vergangenheit erinnern nur noch die mächtigen Lagerhäuser aus rotem Backstein. Heute ist die Gegend ein beliebtes Naherholungsgebiet. Zahlreiche Ausflugsschiffe legen in der Rummelsburger Bucht an. An der Bucht drehte Heiner Carow Anfang der 70er Jahre Szenen für den Spielfilm „Die Legende von Paul und Paula“. Der Film über die Liebe zwischen dem verheirateten, angepassten Paul und der alleinerziehenden Paula gehört zu den populärsten Produktionen der DEFA. In Erinnerung an den Film heißt ein Abschnitt der Uferpromenade an der Rummelsburger Buch seit 1998 „Paul-und-Paula-Ufer". Dort steht sogar eine „Paul-und-Paula“-Bank.
Die Ringbahn überquert Richtung Süden die Spree und erreicht den Bezirk Treptow. Auf der rechten Seite, direkt am Fluss, stehen mehrere Hochhäuser. Sie werden in Anspielung auf den Ortsteil Treptow und "towers", das englische Wort für Turm, als "Treptowers" bezeichnet. Das größte der insgesamt vier Gebäude ist 125 Meter hoch. Es gehört der Allianz. Der Name der Versicherung ist auf einer großen Schrifttafel angebracht und weithin sichtbar. In dem Haus ist aber auch das Bundeskriminalamt untergebracht. Die markanten Treptowers sind eines der Wahrzeichen des neuen Berlin.
S-Bahn-Station Sonnenallee
Die Ringbahn fährt in südöstlicher Richtung vom Bezirk Treptow nach Neukölln. In Höhe der Sonnenallee verlief bis zum November 1989 die Berliner Mauer. Die Sonnenallee ist eine große Ausfallstraße, die von Neukölln in südöstlicher Richtung nach Treptow führt. Nur wenige hundert Meter der Straße liegen in diesem Bezirk. Seit 1961 war die Sonnenallee durch die Mauer geteilt. Damit war auch der Ringbahnverkehr unterbrochen. In der Nacht vor dem Mauerbau am 13. August 1961 riegelte die Nationale Volksarmee der DDR die Stellwerke der Bahn ab. In westlicher Richtung verkehrte die Ringbahn fortan nur noch im dreiviertel Kreis von der Station Sonnenallee in Neukölln bis zum Gesundbrunnen im Wedding. Da die S-Bahn von der Reichsbahn, also der DDR betrieben wurde, war sie bei Westberlinern sehr unbeliebt. Der Regierende Bürgermeister von Westberlin Willy Brandt rief gleich nach dem Mauerbau zum Boykott der S-Bahn auf. Dem Aufruf leisteten die Westberliner weitgehend Folge, und so verlor die S-Bahn als Nahverkehrsmittel immer mehr an Bedeutung. Weil der Betrieb der S-Bahn immer defizitärer wurde, kündigte die Reichsbahn 1980 zahlreichen ihrer Westberliner Mitarbeitern. Sie erhielten – auch das ein Kuriosum der Teilung – Westgeld. Die Mitarbeiter traten daraufhin in einen Streik. Unter den Bedingungen des Kalten Kriegs entwickelte sich der Ausstand zu einer politischen Krise. Die Reichsbahn reduzierte den Verkehr auf vielen Strecken oder stellte ihn ganz ein. Darunter auch die Ringbahn. Die Westberliner Verkehrsbetriebe übernahmen 1984 von der Reichsbahn die S-Bahn. Die BVG baute den S-Bahnbetrieb wieder aus. Die Ringbahn nahm sie jedoch bis zum Fall der Mauer nicht mehr in Betrieb. Der Bahnhof Sonnenallee wurde erst in den 90er Jahren wieder angefahren.
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