Kreuzberg 61 - Party und Nachtleben
Nachts in Kreuzberg 61 - von Cocktailbars zu Bierhöhlen; Schwulen Clubs für Frauen, die ungestört ausgehen wollen; bis hin zum engen Afterhour-Club für jene, die ungern alleine nachhause gehen - für jedes Vergnügen gibt einen besonderen Ort.
Ein wenig umgibt der abgehalfterte Charme der Straßen von San Francisco die ungastlichen, lauten und immer dreckigen Yorckbrücken, die zwischen dem S-und U-Bahnhof und dem gefühlten westlichen Anfang des Bezirks stehen.
Ehrlich gesagt: da muß man mal durch. Wir lassen uns vom Namensgeber in Festungshaft nehmen, bei Blues und Jazz im Yorckschlößchen (Yorckstrasse 15). Samstags, sonntags und mittwochs wird hier für einen kleinen Obolus live aufgespielt, die Noten umwehen einen drinnen und auch im großzügigen Sommergarten. Kein Touristentreff! Es treffen sich „rischté eschté“ Berliner, keine Modeopfer, viele Musiker, keine Musikanten. Obacht: so spurlos, wie die Zeit an diesem alten Haus vorbeigegangen ist, so schnell vergeht sie, wenn man drinsitzt. Nicht umsonst werben die Betreiber mit „artgerechter Gasthaltung“.
Wem das zu wenig aufregend ist, der will vielleicht ins Schwuz am Mehringdamm (U6 und U7), Männer aus den bekannten Gründen (es gibt nicht nur eine Garderobe, sondern auch eine Umkleide (!), nicht in allen Räumen brennt Licht, andere sind sehr eng), Frauen auf Bräutigamschau zugegebenermaßen weniger, obwohl an einem Platz wie diesem so ziemlich alles passieren kann. Zum größten Teil sind es dann beste Freundinnen, die in unfaßbar entspannter Atmosphäre endlich mal Gin Tonic trinken dürfen, ohne gleich für Mädchen gehalten zu werden. Musikalisch glitzert das Klischee, das Schwuz ist sich auch nach dem Auszug aus der Hasenheide treu geblieben. Das erinnert an das ebenfalls sehr tolerante SO 36 im anderen Kreuzberg. Das 61er Nachtleben birgt viele klebrige Alkoholfallen, vornehmlich an Straßenecken. Wer statt „gepfl. Biere“ und Dart die höhergeistigen Getränke und gepfl. Gespräche bevorzugt, findet ein paradiesisches Tauchrevier in der Arndtstraße 25, die Haifischbar.
Unvermutet superstylisch, aber nicht zu glattgebürstet, dabei alles andere als aufdringlich. Im Hinterzimmer ist es noch schicker als vorn, dennoch hat man auch ohne Bügelfalte nicht das Gefühl, underdressed zu sein. Die Qualität der Cocktails bewegt sich auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Würgeengel in der Dresdner Straße am Kottbusser Tor, und wer bösen Hunger bekommt, kriegt Sushi. Überraschenderweise ist das auch noch richtig gut!
Wer's nicht glaubt und sich für einen Experten hält, bestellt Unagi. Und dann noch zwei. Und kein Bier zum Spülen.
Bier trinken kann man ganz vortrefflich im Malheur in der Gneisenaustraße 17 (U7). Vorsicht vor dem Aventinus aus dem Hause Schneider und Söhne. Schmeckt wie Malzbier, wirkt wie Whiskey. Loungen, chillen, anderen englischen Aktivitäten nachgehen kann man auch prima im Avastar, Nostitzstraße 12, oder in der Junction Bar, Gneisenaustrasse 18, wo an mindestens 365 Tagen im Jahr eine Band und ein DJ segensreich wirken. Zu guter Letzt, und das kann wirklich dauern, geht man in die Meaniebar in der Graefestraße 77, wenn es noch einen Platz gibt. Das Ding ist echt mal mini, zu viert kann man den Laden übernehmen. Lohnenswert ist es aber eher, hier herzugehen, um wen kennenzulernen – bei der Enge kein Problem.
Text: Giuseppe Profumo
Gelesen von: Manfred Fenner
Länge: 4:30 Minuten (4.13 MB)
Format: MP3 Stereo 44kHz 128Kbps (CBR)
































