Humor im totalitären Regime
Komödianten in der DDR wurden von der Regierung streng kontrolliert. Sie verfeinerten ihre Witze mit kleinen kritischen Spitzen entgegen der offiziell gewünschten Flucht in die Harmlosigkeit.
Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus – im Sozialismus ist es umgekehrt. So in etwa funktionierte der politische Witz „drüben“: lustig ging es in Deutschland selten zu. Offiziell zumindest, der Privatstaatsbürger ließ sich natürlich nicht sein Maul verbieten, der Berliner schon gar nicht. Die Parallelen zum Witz im NS-Staat sind auffällig. Repression äußert sich beinahe immer in ätzender Komik, bei der Machthaber unter normales Maß zurechtgestutzt werden.
Da die Produkte der DDR, zumindest die für den Binnenhandel, oftmals von mangelhafter Qualität waren, waren sie genauso Zielscheibe der Kritik wie die höheren Chargen des Politbüros, der IM (inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit), der ABV (Abschnittsbevollmächtigter, direkter Nachkomme des großdeutschen Blockwarts) und der heiß geliebte große Bruder Rußland. Weitere beliebte Opfer waren Volkspolizisten und NVA-Soldaten.
Witze nachzulesen ist im Internet nicht schwer, der SPIEGEL bietet zum Beispiel in seiner Online-Ausgabe einige Exemplare unterschiedlicher Güte: "Darüber lachte der Osten" auf SpON.
Das Kabarett in Ostdeutschland
Wichtiger aber ist es, das System der Repression und das konsequente Phänomen der Flucht in die Harmlosigkeit zu verstehen, die typisch für den offiziellen Witz war. Ob „Ein Kessel Buntes“ oder die Dresdner „Herkuleskeule“, alles war rezensiert und kontrolliert. Intelligente, witzige Ausfälle wurden mit Repressionen beantwortet. Das führte zu einer Taktik, die einen besonderen Aspekt der gelernten Verhaltensweisen der DDR-Bürger ausmachte: da die Skripte für Programme sämtlicher Kabarettprogramme vorher abgenommen werden mußten, um politisch unerwünschte Aussagen auszusieben, bauten die Schreiber extreme Stolpersteine in ihre Rohfassungen ein, die für kleinere Spitzen geopfert wurden. Gleich nach den besonders auffälligen wurden dann die eigentlich beabsichtigten Anspielungen mit eingebaut, die im Schatten der Auffälligkeiten meist durchgingen. Man nannte diese Opfertechnik „Rosa Elefant“.
Nun, leider gingen die Intelligenz und Schärfe der Kabarettisten in diesem Procedere auch meist den Weg alles Irdischen, und auch wenn sich das alte Ost-Kabarett an der Friedrichstraße „Distel“ nennt, Stacheln hatte es noch nie, und daß man niemanden aus dem Ensemble kennt, hat seinen Grund nicht in der Ignoranz der Westmedien.
Besonders anschaulich ist das immer noch primordiale Stadium des ostdeutschen Humors auch in der anerzogenen Harmlosigkeit von Wolfgang Stumph und, besonders schlimm, der politischen Unreife Uwe Steimles. Der ist zwar Mitte Vierzig, wirkt aber wie ein frisch gebackener Jungpionier. Zuletzt blamiert hat er sich und seine halbgaren Ansichten bei Sandra Maischberger, als er ausgerechnet der - zugegeben arrivierten - Belegschaft des Scheibenwischers vorwarf, „manchmal auch Staatskabarett“ zu sein.
Achtundsechzig hätten Sie ihn aufgehängt.
Text: Giuseppe Profumo
Audio gelesen von: Manfred Fenner
Format: Mp3
































