Homosexuelle Gedenktour: Das Magnus Hirschfeld Ufer
Die Promenade schräg gegenüber vom Bundeskanzleramt wurde nach dem Sexualforscher und Mitbegründer der ersten Homosexuellen-Bewegung Magnus Hirschfeld benannt.
In der Nähe des heutigen Kanzleramtes stand das von ihm gegründete „Institut für Sexualwissenschaft“. Spaziert man dort entlang, dann kann man in den Kanzlergarten schauen.
Während man am Magnus-Hirschfeld-Ufer entlang flaniert, kann man das Wirken des Namensgebers in Gedanken revue passieren lassen. Der Sexualforscher wollte unter dem Motto „Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“ das Angeborensein der Homosexualität beweisen. Damit wollte er die Forderung nach Straffreiheit begründen. So kann man in einer Spandauer Akte von 1704 den Bericht über einen Bürger namens Le Gros lesen, der zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde. Dies war in Preußen bis 1740 gängige Strafe für Homosexuelle. Während Friedrich II. unter Spottversen französischer Schriftsteller litt, die auf seine angebliche homosexuelle Veranlagung anspielten, änderte sich das hohe Strafmaß der Todesstrafe. Dennoch ließ und lässt sich Homosexualität stets zur Denunziation nutzen.
Magnus Hirschfeld übernahm die von Karl Heinrich Ulrich entwickelte Theorie des „dritten Geschlechts“. Es bestehe aus sexuellen Zwischenstufen zwischen Mann und Frau. Damit sind Homosexuelle, Transgender und Intersexuelle gemeint. Die Bezeichnung „Homosexualität“ übernahm er von Karl Maria Kertbeny. Einen Gedankensprung würde man heute gern bei der nächsten Theorie machen, die Magnus Hirschfeld übernommen hat. Es ist die Theorie, die besagt, dass die gleichgeschlechtliche Liebe eine angeborene Degeneration mit Krankheitswert ist. Dennoch wurde er zum Helden der Sexualwissenschaft.
Politisch aktiv wurde er mit der Forderung den § 175 aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Sexuelle Handlungen zwischen Männern sollten entkriminalisiert werden. Sein Vorhaben scheiterte. Erfolgreich war anstelle dessen, als er sich in Szene setzte beim ersten Schwulenfilm „Anders als die Andern“ von Richard Oswald.
Und zu guter letzt prägte er den Begriff Transvestit. Hirschfeld war im berühmten Lokal Eldorado, das von vielen Transvestiten besucht wurde, bekannt. Dort standen Männer in high heels auf der Bühne. Liebevoll wurde er Tante Magnesia genannt. Ob an dem Gerücht, dass er selbst eine „Transe“ war, etwas dran ist, werden wir heute wohl nicht mehr herausfinden.
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