Hendrik in Berlin
Hendrik ist 15, kommt aus Dortmund und macht in den Osterferien ein Praktikum in Berlin. Was er in der Hauptstadt erlebt und welche Aufgaben er zu meistern hat, berichtet er uns in seiner Kolumne "Hendrik in Berlin".
Von Hendrik Lemke
Geweckt wurde ich pünktlich von den lieben Bauarbeitern von gegenüber, die diesmal soviel Staub machten, dass die Autos, die auf den Parkplätzen neben dem Schutt-Container standen, alle in einen grauen Morgenmantel gehüllt wurden. Das Frühstück verlegten Jule und ich in ein sehr gemütliches und mit Wlan ausgestattetes Café in der Frankfurter Allee mit dem Namen „Café Tasso“, in dessen netter Atmosphäre sich mein Laptop auch gerne mit dem Internet verbinden ließ und das sogar ganz einfach und unkompliziert. So entspannten wir bei einem leckeren Cappuccino und einem Schokocroissant, bevor es dann wieder ins Büro ging. Dort angekommen wartete auch schon wieder viel Arbeit auf mich, so musste ich die Videoportale weiterhin mit unseren Videos füttern, Texte schreiben und weitere kleinere Aufgaben erledigen, die viel Zeit in Anspruch nahmen.
Am Nachmittag sind Jule und ich dann noch schnell etwas in dem nahe gelegenen Mc Donald's essen gegangen, welches direkt an der U-Bahn Station 'Frankfurter Tor' liegt und ich muss sagen bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich eigentlich immer einen sehr guten Eindruck von Mc Donald's Restaurants, was sich sofort schlagartig änderte.
Es fing mit der Bedienung an, welche die unfreundlichste und langsamste Mc Donald's Verkäuferin war, die mir je begegnet ist, was aber auch daran liegen könnte, das sich in dieser Filiale nicht wirklich viele Kunden aufgehalten haben, doch ich wäre gerade aus diesem Grund umso freundlicher und schneller gewesen. Weiter ging es dann mit den Toiletten. Diese Filiale war die erste, die ich gesehen habe, in der man sich zuerst vorne an der Kasse einen Chip abholen muss, damit man auf die Toilette gehen kann und dann einen solchen Saustall vorfindet, dass man am liebsten sofort wieder umkehren würde. Ich musste aber und deshalb habe ich mich zusammengerissen und bin doch noch rein. Eigentlich war ich von Mc Donald's Toiletten immer Sauberkeit und so gewöhnt. Als ich mal in London war zum Beispiel, da erinnere ich mich an eine Filiale, die richtig proppenvoll war und obwohl dort so viele Menschen waren, die auch die Toiletten besuchten, konnte man wirklich überall sprichwörtlich vom Boden essen, weil wirklich alles richtig sauber war. Dort wurden die Toiletten sogar in regelmäßigen Abständen von 15 oder 20 Minuten geputzt. Aber wieder zurück nach Berlin. Die Toilette war an den Wänden so dick mit Graffiti und sonstigen Sachen beschmiert, dass man noch nicht einmal erahnen konnte, welchen Farbton die Wand darunter einmal gehabt haben mag. Der Boden klebte schon und überall an den Wänden standen irgendwelche komischen Internetadressen. Das Wasser, das aus dem Wasserhahn floss, nein fließen kann man das nicht nennen, kam mit einem Druck von 10bar heraus geschossen, sodass man unwillkürlich von Kopf bis Fuß nass war. Das Einzige was mich daran wirklich wunderte, war, dass aus dem Wasserhahn wirklich Wasser herauskam, erwartethatte ich eine bräunliche stinkende Brühe. Wie viele Jahrhunderte der Föhn schon überlebt hat möchte ich lieber erst gar nicht wissen, als ich aber nach stundenlangem suchen endlich verstanden hatte, wie komisch dieser Bewegungsmelder daran funktioniert, nämlich so gut wie gar nicht, bemühte sich der Föhn dann doch, mal ein Lebenszeichen von sich zu geben. Gut, das war vielleicht ein wenig untertrieben, um genau zu sein, ich hatte das Gefühl neben mir würde ein Helikopter starten, so laut und windig war es. Dabei war der Wind gar nicht mal so schlecht, weil jetzt war ich wieder einigermaßen trocken und konnte zurück ins Lokal gehen, doch vorher fiel mir noch ein Schild neben dem Föhn ins Auge, auf dem die Putzkräfte eintragen können, wann sie das letzte Mal die Toiletten geputzt haben. Doch so wie es aussah, wurde dort noch nie etwas von den McDonald's Mitarbeitern eingetragen, stattdessen fand ich neben ein bis zwei Krickeleien auch direkt unter der Spalte „Datum der letzten Reinigung“ das Wort „Nie“ und dem konnte ich nur voll und ganz zustimmen! Wieder unten angekommen habe ich mir erstmal das langsamste Maximenü bestellt, das ich jemals bekommen habe. Bis zu diesem Tag hatte ich auch verstanden, warum die Mc Donald's Restaurants „Fast Food Restaurants“ sind. Ich dachte das bezöge sich auf den Service, doch da hatte ich mich (zumindest in dieser Filiale) geirrt.


Nach unserem "Schnellen Essen" sind wir mit der U5 wieder zurück zu Jule gefahren, wo wir nach sehr kurzer Zeit wieder aufbrachen, um mit der U-Bahn zur Backfabrik im Prenzlauer Berg zu fahren. Auf dem Weg fiel uns in der U-Bahn Station „Frankfurter Allee“ ein Mann auf, der in
einer Ecke meinte seinen Rausch ausschlafen zu müssen und 6 Security-Leute, die um ihn herumstanden und versuchten ihn aufzuwecken...
Nchdem wir endlich in der Backfabrik angekommen waren, haben wir uns die Buchvorstellung mit Fotoshow des Berlinbuches „100% Berlin“ von Falko Hennig angeschaut.


Im Anschluss fand ich mich in einer urgemütlichen Kneipe mit dem Namen „Scotch & Sofa“ wieder, die nur ein paar hundert Meter neben der U-Bahn Station „Senefelder Platz“ zu finden ist und wo wir den
Abend in einer angenehmen 50er Jahre Umgebung ausklingen ließen.
Der Rückweg verlief ohne weitere Zwischenfälle und ich machte mich schon auf eine weitere unangenehme Nacht gefasst, die spätestens morgen früh um 6:00 oder 7:00 Uhr endgültig durch die Bauarbeiter beendet werden würde, die mich im Übrigen mit ihren gelben Helmen immer mehr an BOB den Baumeister erinnerten, doch da sollte ich mich erneut irren...
Fotos © Hendrik Lemke
Keywords: Café Tasso, Hendrik, Hendrik Lemke, McDonalds, Praktikum, Schülerpraktikum































