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Carpeberlin - Being a visitor - not a tourist

Meinung Meinung
Mittwoch, 26. März 2008 17:38 • 

Von: carpeberlin

Hendrik in Berlin

Berliner Fernsehturm vor strahlend blauem Himmel

Hendrik ist 15, kommt aus Dortmund und macht in den Osterferien ein Praktikum in Berlin. Was er in der Hauptstadt erlebt und welche Aufgaben er zu meistern hat, berichtet er uns in seiner Kolumne "Hendrik in Berlin".

Von Hendrik Lemke

Am Ostermontag konnte ich ein wenig ausschlafen, das lag zuerst einmal daran, dass die Bauarbeiter sich nicht blicken ließen und zum anderen daran, dass wir keine großartigen Termine geplant hatten. Der einzige Aktionspunkt war nachmittags ins Theater zu gehen. Also frühstückten wir erst einmal in aller Ruhe und arbeiteten ein wenig. Als wir uns dann zum Maxim-Gorki-Theater aufmachten, war draußen schönster Sonnenschein und wir überlegten, ob wir nicht viel lieber draußen herum spazieren sollten, anstatt ins Theater zu gehen. Wir gingen dann aber doch und als uns gesagt wurde, dass 5 Minuten zuvor die letzten Karten verkauft worden waren und wir leider nicht mehr reinkämen, waren wir zum einen etwas enttäuscht, weil die nächste Vorstellung erst in einem Monat stattfinden sollte und zum anderen erleichtert, weil wir so noch ein wenig Sonne tanken konnten. Das haben wir dann auch gemacht, indem wir alle möglichen Sehenswürdigkeiten abklapperten, die von den Ostertouris so extrem überfüllt waren, dass man sich weder richtig gut bewegen, noch irgendetwas richtig sehen konnte. Vom Alexanderplatz am Palast der Republik vorbei, vom Radisson SAS-Hotel mit Fahrstuhl-AquaDom zur Museumsinsel, dann unter den Linden entlang mit Besuch der Peugeot-Avenue zum Brandenburger Tor mit einem Abstecher durchs Regierungsviertel, vom Pariser Platz durch die Akademie der Künste zum Holocoust-Mahnmal, bis wir am Potsdamer Platz (Sony Center, Ritz-Carlton, Legoland) endlich eine Pause einlegten.

 


Und das alles zwischen Tausenden von Touristen, die mit ihren Bussen alle Straßen verstopften und einem andauernd durchs Bild rannten, wenn man gerade mal ein Foto schießen wollte. Trotz der schönen Sonne, waren die Temperaturen doch eher kalt, sodass wir uns nach unserem mehrstündigen Spaziergang in einem nahe gelegenen Starbucks einfanden, um uns aufzuwärmen. Aber diese Idee hatten viele andere Leute auch und so fanden wir zunächst keinen Sitzplatz, was sich nach 5-10 Minuten endlich änderte. Wir beschlossen wieder zurück zu fahren und zwar mit der Ringbahn von Westkreuz über Gesundbrunnen bis Ostkreuz, da ich diese Strecke noch nicht kannte. Sehen konnte man draußen zwar sowieso nichts, da es schon sehr dunkel war, doch immerhin saßen sehr interessante Leute in der S-Bahn. Eine junge Frau, die einen kurzen Rock mit leicht zerrissener Strumpfhose und einem Pullover anhatte, dessen Ärmelansätze anscheinend von ihrem niedlichen Hund, den sie an einem Seil mit sich führte schon des öfteren angenagt worden waren. Neben ihr hatte sich ein sehr ruhiger Mann gesetzt, von dem man nicht wirklich viel mitbekam, da sich alle nur für den Hund und sein Frauchen interessierten. Die beiden spielten die ganze Zeit miteinander, was die anderen Leute sehr unterhaltsam fanden. Besonders ein verheiratetes Pärchen, das mir direkt gegenüber saß und das im Partnerlook auftrat: Tarnfarben- Jacke und zerrissene Jeans. Es waren Leute, denen man schon ansah, dass sie zu den Menschen gehörten, die sich Nachmittags auf RTL und Sat1 die Talk- und Gerichtsshows sowie BigBrother reinziehen und dort höchst wahrscheinlich sogar noch mitspielen, nur um einmal im Fernsehen dabei zu sein und endlich mal aus ihrer Harz4-Wohnung irgendwo im 30. Stock eines riesigen Betonklotzes herauszukommen. Ein etwas breiter gebauter Mann, der gleich 2 Sitzplätze einnahm und der sich schräg gegenüber von mir in eine Ecke setzte, gehörte auch dazu. Er trug eine braunen Hose, die an bestimmten Stellen schon Löcher hatte und wo der Speck schon herausgequollen kam und eine dreckige, etwas älter aussehende Jacke, die auch schon ein paar Rissen und Löcher hatte. Mit sich trug er einen kleinen Kasten, aus dem immer mal wieder ein schwarzer Kater heraus schaute. Dem Hund machte das nichts weiter aus, er schnüffelte nur ein wenig an der Kiste und verlor schnell das Interesse, viel lieber sprang er auf seinem Frauchen herum, die daran sichtlich Spaß hatte, ebenso wie die BigBrother-Fans. Bis dahin war es für mich noch ganz ok. Nur als das Frauchen ein Bonbon aß, welches ihr in den Dreck auf den Boden gefallen war, der Hund noch schnell dran leckte, bevor sie es sich schließlich genüsslich in den Mund schob, wurde mir schon ein wenig schlecht. Aufgefallen sind mir außerdem zwei Leute, welche die Fahrt direkt neben Tür auf zwei mitgebrachten Stühlen verbrachten. Als die beiden und die fahrende Tierhandlung am U-Bahnhof Frankfurter Allee ausstiegen, war Jule sichtlich „begeistert“, das all diese 'interessanten' Leute immer bei ihr aussteigen...

 

Eine Station später, am Ostkreuz, sind wir dann auch raus, weil wir noch irgendwo etwas essen wollten und wir fanden auch schnell etwas Passendes. So haben wir Schawarma gegessen, das ist ein arabischer Döner und sind danach noch ein wenig durch Friedrichshain gewandert, bis wir uns in der „Turnhalle“ wiederfanden. Diese war, wie der Name schon verrät, früher einmal eine Turnhalle und ist jetzt ein Restaurant mit Bar. Immer noch zu erkennen sind die Kletterwände und der Originalholzboden. Die Turnhalle wurde umfunktioniert, weil es vor ein paar Jahren nur sehr wenig Kinder gab. Jetzt steigt die Geburtenrate in Friedrichshain stetig an, es gibt Kinderläden und KiTas an jeder Ecke, oft auch mehrere nebeneinander und man könnte wieder gut Turnhallen gebrauchen statt schicker Kneipen. Jedenfalls wurde aus der „Turnhalle“ eine echt coole Location gebastelt, mit einer super Bar und richtig viel Platz. Im Sommer kann man sogar draußen unter Palmen sitzen. Nach einem leckeren Cocktail sind wir eine Station mit der Straßenbahn nach Hause gefahren und haben unsere absolute „Lieblingssendung“ des WDR „Der Popolski Show“ geguckt. „Der Popolski Show“ handelt von einer Polnischen Familie, die immer viel laute Musik und viel Quatsch macht, ich glaube das soll lustig sein...


Fotos © Hendrik Lemke

Keywords: Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Hendrik, Hendrik Lemke, Holocaust-Mahnmal, Museumsinsel, Potsdamer Platz, Praktikum, Schülerpraktikum, Sony Centre, Mitte, Berlin-Mitte

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