Friedrichshain - Kunst und Kultur
Für Friedrichhain ist die Galerienhochburg "Mitte" zum großen Teil reiner Kommerz. Das bekommt man jedenfalls zu hören hier. Oder war es etwa so, dass man im Zentrum einfach kein Ladenlokal mehr abbekommen hat?
Nun gut, man kommt betont dissident oder „alternativ“ und „unkonventionell“ daher. Knallig, bunt’ig, lebendig’ig – so ist die Gleichung anscheinend. Aha, na ja, verstehe. Was schnell mal auf der Strecke bleibt, ist die Qualität. Von der Existenz gewisser Galerien mit tantenhafter Allüre haben wir bereits berichtet. Diese entlarven sich dadurch, dass sie es gern „nicht so kalt“ haben wollen. Heißt dann: keine Lichtregie, Raufasertapete. Die Friedrichshainer Geschmacksverirrungen sind berüchtigt.
Weiter könnte man sagen: einfach mal abgerockte Räume hernehmen – das ersetzt noch kein Konzept. Dennoch bedeuten vergleichsweise billige Ladenmieten (die gibt es in Friedrichshain noch): man kann noch mal eben was raushauen. Man muss nicht alles kalkulieren, nicht alles auf die Wirkung hin berechnen. Sondern auch mal was erproben.
Im „Tornado am Ostkreuz“ in der Sonntagstrasse 29, als „kleiner Raum für Text und Kunst“ annonciert, haben wir zuletzt blumige Bilder einer jungen Malerin gesehen. Ein Tornado der Unbedarftheit? Aber vielleicht sind wir ja auch doof.
Fast immer interessant war es hingegen in der „Galerie im Turm“, direkt am Frankfurter Tor 1. Die Galerie existiert bereits seit 1965. Sozialistischer Realismus oder stalinistischer Neo-Barock wird hier nicht mehr ausgestellt. Vorwiegend werden hier -ganz allgemein- zeitgenössische Berliner Künstler gezeigt.
Die „Galerie 35“ in der Simon-Dach-Strasse 35 gibt sich betont nicht-kommerziell und wirbt für sich als Projektraum für „raumbezogene Projekte“
Die „Aktgalerie“ in der Krossener Strasse 34 wartet mit, na klar, Nacktfotos auf. Manchmal konventionell, manchmal experimentell – ein Besuch kann sich lohnen.
Unweit hiervon, in der „Cartoonfabrik“ in der Krossener Strasse 23a, ist man auf Comics spezialisiert. Der Berliner Zeichner Fil, seines Zeichens Schöpfer der legendären „Didi und Stulle“-Comics und begnadeter Live-Entertainer lud hier unlängst zur Vernissage. Nicht jedoch ohne sich öffentlich über den Ausstellungsraum als solchen zu mokieren und Überlegungen über den Geist, der derartige Interieurs zustande bringt, anzustellen. Begleitet von unserem heftigen Kopfnicken.
Die Galerie „Barrique und Leinwand“ in der alten Hausbesetzermeile, der Rigaer Strasse (Hausnummer: 70) kommt dann doch weniger verschmockt bohèmienhaft daher, als der Name befürchten ließ. Eine JURY verständigt sich über die Ausstellungen. Das beruhigt uns.
Das „Atelier C9“ in der Grünberger Strasse 73 warb zuletzt für den, Zitat, „Mösen Monat März“. Und ließ uns prompt erröten. Dann verstanden wir: es handelte sich um Exponate der -durchaus- künstlerisch wertvollen Objekte und Toys der „Sexclusivitäten“.
Zuletzt sollen hier noch die „Galerie Bob Parsley“ (Petersburger Strasse 30), die „Galerie Jesco vom Puttkamer“ am Strausberger Platz 3 und der Projektraum „Alte Feuerwache“ in der Marchlewskistrasse 6 Erwähnung finden. Auch sie warten mit zeitgenössischen Werken auf – und auch hier müssen wir uns, wie überall, der Kompetenz und dem Augenmaß der Kuratoren und Macher überlassen.
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