Alle Anderen (Regie: Maren Ade, mit Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, u.a.)
Es gibt zwei Arten von Filmen. Mein Mitbewohner aus New York hat es mir erklärt: das eine sind movies, das andere sind films. Wer auf movies steht, kann sich an dieser Stelle sparen weiter zu lesen, doch wen es, wie mich, immer wieder in jene Gattung von films zieht, in denen nichts explodiert, nicht geschossen und nicht die Welt gerettet wird und trotzdem eine Welt vor einem entsteht, dem sei folgendes Exemplar von Film unbedingt ans Herz gelegt.
Dass Alle Anderen ein sprechender Titel ist, liegt auf der Hand. Und tatsächlich, darum geht es auch, in diesem Film. Warum bist Du nicht wie alle anderen? Warum bin ich nicht wie alle anderen? Wie soll ich eigentlich für Dich sein?
Die Anderen, soviel steht in postmodernen Zeiten fest, haben es gut, zuweilen sogar besser. Doch ist damit ein Lebenskonzept zu gewinnen? Anders sein? Man möchte sagen: ja! Es ist die Essenz unserer Zeit geworden, anders zu sein, das ist lange und oft erörtert, verteidigt und beschossen worden. Dieser Film ist es nicht, das sei vorausgeschickt. Seine Größe, seine Berührungskraft, seine Ausstrahlung besteht gerade daraus, dass er ein bisschen wie wir alle ist, ohne in Banalitäten abzugleiten.
Zu Beginn des Films, der bereits in den ersten Szenen eine emotionale Stellungnahme zu seiner Hauptdarstelletin erzwingt („Sag es laut: Ich hasse Dich!“), scheinen Chris und Gitti zu den Anderen zu gehören. Jene, die man kennt und mag und beneidet, die die Leichtigkeit gepachtet haben, ganz abseits von Taoismus und Trommlern und Joints. In einer Villa am Pool an den Klippen einer Mittelmeerinsel ist das vielleicht auch nicht zuviel verlangt.
Erst allmählich entpuppen sich diese scheinbar Anderen als ein Teil von uns. Anfangs durch Zitate, dann durch kleine Blicke und Gesten, die von Wünschen, Ängsten und dem Spaß am Niemalserwachsenwerden erzählen. Plötzlich, mit einem Mal, ist man da, wo Maren Ade uns haben will: am Grund einer Beziehung. Dass die Protagonisten allesamt aus jenem Milieu stammen, das den Film im Kino auch sehen wird, kann man der Autorin vielleicht vorhalten, aber natürlich funktioniert es auch.
Und es stellt sich mit einmal die Frage, warum wir alle so versessen darauf sind, so überzeugt davon sind, dass mit dem Einen, mit der Einen alles besser werden sollte. Diesem Anspruch kann man nicht gerecht werden. Nicht Chris und Gitti, nicht Hans und Sana, und nicht einmal wir. Dafür sind wir auch viel zu sehr wie Alle Anderen.
Alle Anderen (Homepage | Trailer)
Regie: Maren Ade; Kamera: Bernhard Keller
mit Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, u.a.
Drama - Deutschland 2008
124 Min. - Verleih: Prokino
Start: 18.06.2009
Keywords: Alle Anderen, Kino, Berlin, Maren Ade, Beziehung, Szenen einer Ehe