Deus in Berlin
dEUS - Der belgische Exportschlager des gepflegten Alternativrocks spielt am 3. Oktober im Postbahnhof auf.
Es war 1994, also vor 14 Jahren, da erregte eine bis dahin völlig unbekannte Band eine ungeahnte Aufmerksamkeit. Ihr Video zur Single „Suds & Soda“ wurde für die MTV Music Awards nominiert. Zwar gewannen dEUS die Kategorie nicht, aber ihr Name wurde dadurch weltweit berühmt. Sieht man von den drei Singles des Debuts einmal ab, ist das erste Album „Worst Case Scenario“ schwer verdauliche Kost. Ein Bastard aus kaputtem Blues, Jazz und Noise, wären da nicht eben jene bezaubernden Pop-Melodien, die aus dem ein oder anderen Song eine echte Hymne werden lässt. Geschult am Minimalismus von Velvet Underground, der Zartheit von Nick Drake und den Moritaten von Tom Waits entwickelt Sänger Tom Barman exotische Balladen, denen die Band mit chaotischen Noiseausbrüchen einen gezielten Kontrapunkt entgegensetzt. Diese Mischung pflegen dEUS auf ihrem Zweitwerk „In a Bar, Under the Sea“. Als neues Element fügen sie elektronische Mittel und soundtrackartige Fugen hinzu. Die Singles „Theme from Turnpike“, „Little Arithmetics“ und „Roses“ erreichen wiederum ein weltweites Airplay via MTV. Für das nächste Album „The Ideal Crash“ lassen sich dEUS 4 Jahre Zeit. Ein Luxus, den sich eine aufstrebende, mainstream-orientierte Band nie leisten würde. Die Band kümmert das wenig. Nach diversen Umbesetzungen entsteht eine konzentrierte Platte mit epischen Popsongs, deren Länge nie unter 5 Minuten sinkt. Somit fallen die Singles „Instant Street“ und „Sister Dew“ für MTV eindeutig aus dem Rahmen. Das Album wird dennoch ein Erfolg. Es soll weitere 6 Jahre dauern bis sich die Belgier mit ihrem vierten Album „Pocket Revolution“ zurückmelden. In der Zwischenzeit frönen die Mitglieder ihren zahlreichen Soloprojekten. Die bekanntesten sind Magnus (Tom Barman), Zita Swoon (Stef Kamil Carlens) und Vive la Fete (Danny Mommens). Neben Barman ist lediglich der Geiger Klaas Janzoons von der Originalbesetzung mit dabei. Neue musikalische rechte Hand ist der umtriebige Mauro Pawlowski, der es auf geschätzte 20 Nebenprojekte bringt. Der Sound bewegt sich vom Pop zum Rock hin, die Singles erhalten weniger Airplay, da die Musiksender an Acts wie dEUS schon lange kein Interesse mehr zeigen. Dem Erfolg tut das wenig Abbruch. Die Konzerte sind gut besucht, 2008 wird die Band Co-Headliner vom Melt!-Festival. In diesem Jahr erscheint auch das aktuelle Album „Vantage Point“, das mehr noch als „Pocket Revolution, das Rockelement vertieft. Fast könnte man die Platte als „klassisch“ bezeichnen, tut damit der Musik jedoch unrecht. Nach wie vor bereichern dEUS ihre Songs mit allerlei Gimmicks, rhythmischen Wendungen und Stilbrüchen, nur eben wesentlich sparsamer. Live ist die Band in jedem Fall eine Sensation. Vom Herrenchor über Rockposen bis hin zu exaltierten Wahnsinnsgesten befriedigen die Herren immer noch alle geweckten Erwartungen, auch wenn ihr Publikum dabei nicht jünger wird. Zu den Hymnen der Anfangszeit wird immer noch frenetisch gefeiert, denn diese Lieder haben Unsterblichkeit verdient. Solange es diese Band gibt, sollte man sie einmal live erlebt haben. Eine Gelegenheit dazu bietet der Postbahnhof am 3. Oktober an. Zwingend!































