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Carpeberlin - Being a visitor - not a tourist

Meinung Berlin-Kompressor
Donnerstag, 05. Juni 2008 12:40 • 

Von: Berlin-Kompressor

Der Berliner Sommer macht mit Türken mehr Spaß

Oder - was militanten G-8-Gegnern am Großbäcker Kamps liegen könnte

Von Olaf Sundermeyer

In Grünau ist es auch schön. Hinter dem Imbiss vor der S-Bahn Station, also dort, wo jeder weiß, dass sich hier ein paar junge Faschos treffen, die zwar rechts, aber nach Expertenmeinung noch nicht „gänzlich politisiert“ sind, und beim Schluck Sternburg-Export aus der Pulle ziemlich dummes Zeug labern, beginnt der Wald. Hinter dem Wald fährt die Straßenbahn. Und gleich neben den Schienen liegt – wunderschön - der Lange See. An der zweiten Haltestelle, im kleinen Biergarten von Rolf Weber, der mal prominent bei Union Berlin gekickt hat, als die DDR-Oberliga noch etliche Jahre vor sich hatte, bis sie sich im bundesdeutschen Fußballalltag auflöste, kann man Berliner Pilsener für Einssechszig trinken. Aus der Flasche - und den berühmten Berliner Bootsbesitzern zuprosten. Nach ein paar Flaschen und selbst gemachter Soljanka von Rolf Webers Ehefrau („Pommes? So watt hamwe nischt“), dreht man um, vorbei an Straßenbahn und Faschos zur S-Bahnstation. Tschüß Grünau! Noch eine Viertelstunde durch Berlins Südosten, über Schöneweide. Hier hängen an der S-Bahnstation noch mehr Faschos rum als vor dem S-Bahn-Imbiss in Grünau, und es steigt eine von diesen Frauen ein, deren Kinder, wenn es denn Mädchen sind, Chantal (sprich: Schanktall) heißen, mit ein bisschen Glück fürs Kind vielleicht Sophia. Geiles Arschgeweih und geile vom Assitoaster rot gegerbte Haut, die am oberen Ende der Arschritze, also am untersten Rückenwirbel, von einem knallroten Synthetikspitzendreieck bedeckt wird, das nicht größer als zwei Fünfmarkstücke ist. Die schlabbernde Hüfthose ist von einem Camouflagemuster in grauschwarz überzogen und das Bauchspeckpiercing freigelegt, weil sie den Bund des weißen Lonsdale-Kapuzenpulli nach innen hochgekrempelt hat. Auf der fleischigen Zunge tanzt ein weiterer Stecker als Entzündungsbeschleuniger, der immer dann hervorblitzt, wenn sie die verschreckte Schanktall anblafft, weil diese mit dem Pitbull von Ronny spielen will, dem Begleiter ihrer Mutter. Auf dessen T-Shirt sind die harmlosen Buchstaben A.C.A.B. gesiebdruckt ("All Cops are Bastards"). Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gehört Ronny zu den gewaltsuchenden Anhängern des Köpenicker Fußballclubs Union Berlin.

Mit ein bisschen Glück aber steigen am Baumschulenweg endlich ein paar Ausländer zu: Fröhliche spanische Touristinnen aus der S-9 (Flughafen-Schönefeld), die viel besser aussehen als Schanktalls Mutter und nicht so dumpf drein schauen. Und ganz bestimmt sind sie besser angezogen; dafür muss man nicht einmal wissen, dass es bei Lonsdale das NSDA(P) ist, was den Faschos so gefällt, denen die Frauen gefallen, die mit den von ihnen geliehenen Kapuzenpullovern in Schöneweide in die S-Bahn steigen. Vielleicht gefällt dem Nordmann Ronny seine wasserstoffblond gefärbte speckige Nordfrau auch gar nicht so sehr; jedenfalls kriegt er keine andere, schon gar keine von den spanische Touristinnen mit den lustigen Korkenzieherlocken.

Nach den Spanierinnen steigen in der „Köllnischen Heide“ – sagen wir – ein paar Afrikaner ein. Es müssen nicht mal Frauen sein. Reichen auch ein paar von den Jungs, die in der Hasenheide Dope verkaufen. Auch die sehen besser aus als Ronny, jedenfalls sind sie lässiger und so etwas wie eine Bereicherung. In „Neukölln“ dann die ersten türkischen Mütter, die hinter ihren Kopftüchern nachgeblich aber wohlmeinend mit den Augen rollen und dabei an ihre Töchter denken, die ohne Kopftuch, dafür aber mit diesem einstudierten Blick kokettierender Südlichkeit zwischen hier und dem Gesündbrünnen auf ihre besondere Weise die Berliner S-Bahnsteige dominieren.

Wie langweilig wäre der Sommer ohne diese türkischen Mädchen, die dealenden Rastafaris und die gut gekleideten spanischen Touristinnen? Bitte lasst uns mit den anderen Deutschen nicht allein! Man müsste auf Falafel in der Sonne am Winterfeldplatz verzichten, es gäbe keine Internetcafés mit Frauenplätzen, vor allem keine Sportwettenanbieter, die das Leben in einer Stadt kurzweilig machen, wo Fußball ansonsten nur auf der Agenda steht, wenn es eine Fanmeile dazu gibt. Es gäbe nicht die schöne griechische Zahnärztin, die in Kreuzberg 36 aus einer Wurzelbehandlung ein Vergnügen macht (Ausgenommen des kleinen Zeitfensters, in der sie tatsächlich an der Wurzel zieht). Oder die Mädchen, die in dem türkischen Café „Zimt und Mehl“ am Wiegandufer unten am Kanal im befriedeten Dreiländereck zwischen Treptow, Kreuzberg und Neukölln das Rührei mit einem gehauchten „Frühstück ist fertig“ an den Tisch bringen, um dann lautlos – wie im Zelt des Paschas (in diesem Augenblick ist der Gast der Pascha – beim Rühreifühstück - mit Kaffee - für dreizwanzig!) – wieder zu entschwinden. Überhaupt türkische Frühstückscafés, ob auf der Wiener Straße in Kreuzberg oder am Sophie-Charlotte-Platz oben in Charlottenburg; sie sind ein Segen, weil hier eine undeutsche Sanftheit herrscht. Früh am Morgen kein Geplärre von dicken Bäckereifachverkäuferinnen, deren Kinder wohlmöglich Schanktall heißen. Auch kein Audiomüll von RS2. Hier geht es anmutig zu; selbst die Salatbeilage zu Rührei oder Omelette ist liebevoll - und höchstens mit ein paar Tropfen Zitrone angemacht. Ohne Aufpreis bringen sie es nach draußen, an den Tisch, wo der Gast ungestört weiter in den Sportteilen der Stadt lesen kann; das gibt es nicht bei Kamps. Dankeschön! In diesen Momenten spielt die fixe Idee eine gewisse Rolle, ob sich die militanten Globalisierungskritiker nicht mal um den fürchterlichen Großbackwahn des Filialisten Kamps kümmern könnten, wo noch dazu ganz oft Frauen arbeiten, deren Kinder womöglich Schanktall heißen, mit ein bisschen Glück bloß Sophia.

Neulich hat mir ein Bekannter übrigens erzählt, warum er mit seiner Familie in ein Häuschen nach Grünau gezogen ist: „Neukölln ist super, bis du Kinder hast, die in die Schule müssen“. Natürlich hat er Recht, dass man endlich ohne diese „falsche politisch korrekte Rücksichtnahme“, wie er sich vorsichtig ausdrückte, einfach mal die Dinge auf den Punkt bringen sollte, die einem bei unseren ausländischen Mitbürgern so richtig auf den Sack gehen: Also diese beschissenen kleinen arabischen Schwanzgesteuerten Machoarschlöcher, die den Max dreimal in der Woche auf dem Schulweg abziehen, noch dazu wo er von seinem Weicheipapa nicht gelernt hat sich zu wehren. Davon abgesehen hat der Bekannte aus Grünau neulich mit anderen Zugezogenen eine „Initiative gegen Rechts“ gegründet, weil seine Kinder, die äußerlich als Zecken durchgehen, regelmäßig von den Faschos am S-Bahnhof Grünau drangsaliert werden.

Olaf Sundermeyer schreibt manchmal Reportagen für die FAZ, macht gelegentlich Fernsehen für den RBB und pendelt dabei zwischen Berlin und Warschau. Im richtigen Leben interessiert sich der gebürtige Fan von Borussia Dortmund für internationale Küche. An dieser Stelle schreibt er manchmal auf, was ihm am Herzen liegt.


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