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Lyrik aus Neukölln
dass ich heute hier sitze
mitten in berlin und doch in neukölln
das verdanke ich alexandria
in alexandria
das sie iskanderiya nennen
begann diese ahnung in mir
dass ich niemals mehr zu hause sein würde
wenn nicht hier
wenn nicht in alexndria
wenn nicht in diesem einem punkt der welt
der alle welten verschlingt
ohne sie zu vertilgen
und der sie neu gebären wird
in diesen strassen
auf diesen plätzen
die mehr namen tragen als jahre
bin ich zum kosmopoliten geworden
ich habe an der völkerblüte gerochen
wie damals in milet
wie damals in konstantinopel
und ich kann ihren duft nicht mehr vergessen
liegt es daran
dass man zum leben in einer solchen stadt
in fremde ohren dringen muss
und dass die heimat täglich kostbar bleibt
inmitten exotischer düfte
dass ich heute hier sitze
mitten in berlin und doch in neukölln
hat viele gründe
den türkischen bäcker mit seinen brezn und sesamstangen
den fröhlichen italiener
der kein wort italienisch
dafür die beste lasagne der stadt auf lager hat
die libanesischen ägypter aus saudi arabien
die unter mekkas kaaba zu schischa und limun mit mir über handys parlieren
die altberliner wäscherin
die palästinensische nussverkäuferin mit der stimme fayrouz'
den levantinischen gemüsemann
dessen schreie die glocken der martin-luther-kirche in den schatten stellen
das alles sind die gründe
warum ich heute hier sitze
mitten in berlin und doch in neukölln
und warum ich so glücklich bin
in berolinum ad germaniam