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Carpeberlin - Being a visitor - not a tourist

Sonntag, 03. Mai 2009 16:30 • 

Von: David Salokin

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berolinum ad germaniam

Lyrik aus Neukölln

dass ich heute hier sitze

mitten in berlin und doch in neukölln

das verdanke ich alexandria

 

in alexandria

das sie iskanderiya nennen

begann diese ahnung in mir

dass ich niemals mehr zu hause sein würde

wenn nicht hier

wenn nicht in alexndria

wenn nicht in diesem einem punkt der welt

der alle welten verschlingt

ohne sie zu vertilgen

und der sie neu gebären wird

 

in diesen strassen

auf diesen plätzen

die mehr namen tragen als jahre

bin ich zum kosmopoliten geworden

 

ich habe an der völkerblüte gerochen

wie damals in milet

wie damals in konstantinopel

und ich kann ihren duft nicht mehr vergessen

 

liegt es daran

dass man zum leben in einer solchen stadt

in fremde ohren dringen muss

und dass die heimat täglich kostbar bleibt

inmitten exotischer düfte

 

dass ich heute hier sitze

mitten in berlin und doch in neukölln

hat viele gründe

 

den türkischen bäcker mit seinen brezn und sesamstangen

den fröhlichen italiener

der kein wort italienisch

dafür die beste lasagne der stadt auf lager hat

die libanesischen ägypter aus saudi arabien

die unter mekkas kaaba zu schischa und limun mit mir über handys parlieren

die altberliner wäscherin

die palästinensische nussverkäuferin mit der stimme fayrouz'

den levantinischen gemüsemann

dessen schreie die glocken der martin-luther-kirche in den schatten stellen

 

das alles sind die gründe

warum ich heute hier sitze

mitten in berlin und doch in neukölln

und warum ich so glücklich bin

 

in berolinum ad germaniam

 

Keywords: Neukölln, Alexandria, Multikulti, Martin-Luther-Kirche

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