Beachvolleyball in Berlin
Trendsport? Oder für die Scouts längst wieder out und jetzt für auch für Normalos freigegeben? Berliner haben einfach Spaß am Volleyball- barfuß, auf Sand und im Freien.
Da der Berliner ja immer was vor hat und der Sommer voller Termine ist, die ein Verlassen der Stadt so gut wie unmöglich machen, arbeitet er seine Ausflüge eben innerhalb ihrer Grenzen ab, und darin kann einer der Gründe liegen, warum Beachvolleyball gerade hier in den letzten Jahren so viele Freunde gefunden hat: Die Stadt ist immer noch voller Brachen, die viele nicht kennen. Wo, vom urbanen Berlin manchmal nur von einer Hecke getrennt, also jahrelang nichts geschah, haben findige Kerlchen Sand hingekarrt, Netze aufgestellt und mit Flutlichtanlagen versehen, eine Bretterbude zur Tränke erklärt und fertig ist die Laube: Beachbar mit angeschlossenem Sportplatz, ohne daß der Strand jetzt unbedingt am Wasser liegen müßte. Im Gegenteil: das, was den Sand eigentlich erst zum Strand macht, weiß man nachher, braucht nämlich keiner: der Sand allein, ohne Wasser, tut’s auch.
Und wer Angst hat, sich inmitten gestählter, braungebrannter Profis mit Panoramabrillen wiederzufinden, um sich schon vor der ersten Angabe bis auf die Knochen zu blamieren: Keine Panik. Wir können auch nicht spielen, und es macht uns trotzdem Spaß. Unsere Körper sind die von geistig leicht zurückgebliebenen Büroboten, bleich und vom vielen Sitzen weich geworden, wir spielen zwar auch mit Brille, aber einer, die wir zum Sehen dringend brauchen, und wir lassen unsere T-Shirts an. Wir spielen nicht unbedingt zu zweit, nur so lange, wie wir können, und außerdem freuen wir uns nicht über Punkte, sondern über schöne Ballwechsel. Nachher schnaufen wir an die Bar, trinken was Isotonisches und zählen im Streiflicht des Sonnenuntergangs die Rippen der Profis.
Mittlerweile gibt es zwei große Areale, auf denen sich das original Strandgefühl schnell und gründlich einstellt: da ist zum einen der urbane BeachMitte der direkt am Nordbahnhof liegt und sich mit seinen 47 Feldern fast bis zum Humbodthain erstreckt. Das spitzwinklige Dreieck ist bis zum letzten Quadratmeter ausgenutzt, die Atmosphäre im ehemaligen Niemandsland ist sportlich. Neben Volleyball kann man hier auch Beachhandball, Beachsoccer oder auch Beachtennis spielen, gesetzt den Fall, daß genug Platz ist. Wir haben mit dem Volleyball genug zu tun, zum Rest halten wir professionelle Distanz.
Wer der Stadt in der Stadt entfliehen will, der hat noch eine andere Option, mit 22 Plätzen etwas kleiner, dafür aber familiärer. Der Beachpark 61 ist so auf dem Südgelände des Gleisdreiecks gelegen, daß man außer debis-Haus, Post und Fernsehturm nichts von Berlin sieht außer Berlinern. Das schafft ein Gefühl wie an einem der so beliebten Badeseen, nur eben ohne See, den man hier zuerst zwar schon vermutet, aber nicht vermißt. Die Getränke sind günstig, nach dem Spiel gibt’s Burger, Fußball auf der Großleinwand und Gin Tonic, aber nicht mit Gordon’s Dry, sondern mit dem richtigen Zeug. Das alles von freundlichen Menschen, denen man ansehen kann, daß sie es gerne machen, so gerne, daß sie auch noch ein Winterlager gegründet haben: eine Halle, in der man auf Sand Volleyball spielt, das ist im Grunde schon ein bißchen blöde. Aber wer weiß, vielleicht hat uns das Feuer bis September so stark gepackt, daß wir den Winter durch so tun, als seien wir draußen beim Training – und Euch bleibt im nächsten Jahr nichts anderes übrig, als uns, dann Profis, neidisch zuzusehen.

































wir freuen uns über den sympatischen Artikel. Schön das es auch Euch gepackt hat.
Liebe Grüße, Frank, beach61