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Stadt Politik und Zeitgeschehen
Montag, 14. Juli 2008 16:43 • 

Von: carpeberlin

87% versenken die "Mediaspree"

Der Bürgerentscheid in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg fällt mit überwältigender Mehrheit zugunsten des Vorschlages der Initiative "Mediaspree versenken" aus

Am Sonntag, dem 13. Juli 2008 waren rund 170.000 Wahlberechtigte in Friedrichshain-Kreuzberg aufgerufen ihre Stimme abzugeben und somit die Zukunft des Spreeufers zwischen Elsen- und Jannowitz-Brücke aktiv mitzugestalten.

     Mit einer Mehrheit von 87%
     entschieden sich die Friedrichshainer und Kreuzberger gegen die
     Pläne einer massiven Bebauung des Spreeufers und für den
     Forderungskatalog der Initiative "Mediaspree versenken".


     Um 16:00 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei lediglich 9,5%. Bedenken
     der Wählleitung, die für eine rechtliche Relevanz des
     Bürgerentscheids nötige Beteiligung von 15% würde nicht erreicht
     werden, konnten ausgeräumt werden als um 18:00 Uhr rund 35.000
     gültige Stimmen Auszählung fanden. Dies entspricht einer
     Wahlbeteiligung von über 19%. Der Bürgerentscheid zur
     Rudolf-Dutschke-Straße vor eineinhalb Jahren entwickelte sich im
     Übrigen vergleichbar. Bis 16:00 Uhr haben 10,6 % der
     Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Trotz der schwachen
     Wahlbeteiligung wurde auch damals das nötige Quorum von 15% erreicht.


     Der Bezirk will nun auf jeden Fall den Bürgerwillen umsetzen. So
     stellt sich der Grünen-Politiker und Bezirksbürgermeister Franz Schulz
     hinter das Votum. Eine Frage bleibt dennoch offen: Wie kann der
     Bürgerentscheid Umsetzung finden? Schulz fordert den Senat auf das
     eindeutige Votum gleichfalls zu akzeptieren und sucht nun das
     Gespräch mit den Investoren um die Forderungen des
     Bürgerentscheids zu übernehmen.


     Das Bürgervotum ist nicht rechtlich bindend. Die Investoren hoffen
     daher auf Rückendeckung aus der Landesregierung und glauben nicht
     an die Möglichkeit der Aushebelung der Stadtplanung. In der
     Folgezeit soll ein Sonderausschuß im Bezirksamt eingerichtet
     werden, der in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Initiative
     "Mediaspree versenken" Optionen der Umsetzung des
     Bürgerentscheides suchen und finden soll.

Die drei wichtigsten Entscheidungen des Bürgervotums:

a. Der Bebauungsabstand zur Spree soll mindestens 50 Meter betragen

b. Es sollen keine weiteren Hochhäuser an Spree auf Friedrichshainer oder Kreuzberger Seite entstehen.

c. Es soll lediglich eine Fußgängerbrücke über die spree gebaut werden.


     Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg fürchtet nun
     Schadensersatzforderungen in Millionen-Höhe. Meyer,
     Geschäftsführer des Investorenzusammenschlusses "Mediaspree e.V."
     stellte nicht nur die rechtliche Zweifelhaftigkeit des
     Bürgerentscheides und den damit verbundenen Folgen fest. Er
     unterstrich, dass wohl kaum ein Investor auf eine Entschädigung
     verzichten wird. Schätzungen sprechen aktuell von einem möglichen
     Schadenserssatz von über 150 Millonen Euro, welche an die
     Grundstückseigentümer, im Falle einer Umwidmung der rund 250.000
     Quadratmeter zu zahlen in Aussicht gestellt wurde. Die Initiatoren
     des Bürgersentscheides halten jedoch lediglich ein Drittel der
     Summe für realistisch und hoffen auf eine Einigung mit der
     Investorengruppe.


     Ob sich nun in absehbarer Zeit das Spreeufer im Bezirk
     Friedrichshain-Kreuzberg in eine fünfzehn mal so große Kopie des
     Potsdammer Platzes wandelt, ob die geplanten Investitionen in Höhe
     von über zwei Milliarden Euro an der Spree geleistet werden oder
     die urbanen Brachen an der Spree einer bürgerfreundlichen Nutzung
     zugeführt werden und dem Votum Rechnung getragen wird, kann heute
     nicht abschließend festgestellt werden.


     Wir gratulieren an dieser Stelle der Initiative "Mediapree
     versenken", hoffen auf eine zukünftig bürgernahe Stadtentwicklung
     und freuen uns auf laue Sommerabende und Sonnenuntergänge an der
     Spree.


     Ob im "Yaam-Club", in der "Bar 25", ob am "Oststrand", im "Kiki
     Blofeld", in der "Maria" oder anderen etablierten alternaiven
     Örtlichkeiten.


     Wir bleiben dran und halten Euch über die weitere Entwicklung auf
     dem Laufenden!


Keywords: Media Spree Versenken, Bürgerentscheid

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