PolitikFreitag, 20. September 2013, 15:18 Uhr· von: Nicolas Flessa

Versenken Sie Ihre Stimme!

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Dass dieser Wahlkampf nicht berauschend, ja lahm gewesen sei, hat man immer und immer wieder hören können. Woran hat das eigentlich gelegen? An den langweiligen Technokraten, die sich derzeit um die Rolle der Regierungsmitglieder bei uns bewerben? Wohl kaum. Dass Angela Merkel einen eher unaufgeregten Wahlkampf betreibt, sei den Kommentatoren ungenommen. Doch Steinbrück, Brüderle oder gar Gysi als Langweiler zu bezeichnen - hier beginnt, wie so oft, der Bereich der politischen Fabel.

 

Die heimliche Politikverdrossenheit, die so manchem Artikel zu entnehmen ist, deckt sich erschreckenderweise trefflich mit der Politikerverdossenheit so manches gemeinen Wählers. Gut, die Beteiligungsquote der Bayernwahl hat eben erst bewiesen, wie weit solche Schreckensszenarien am Ende von der Realität der Wahlen entfernt sein können. Und doch habe ich in den letzten Wochen weniger Links- oder Rechts-Wähler denn Nicht-Wähler getroffen; immer wieder entgegnete man mir: Ja, soll ich für den ganzen Unsinn da oben etwa auch noch mit verantwortlich sein?

 

Ich sagte ihnen, was ich auch heute nicht müde werde zu wiederholen: Ja!

 

Gerne erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an eine Anekdote, die meine allererste Bundestagswahl betrift. Ich war damals Zivildienstleistender und hatte am Wahlsonntag wie gewöhnlich meinen Dienst zu verrichten und hätte daher die Wahl verpasst. Mein Stiefvater aber, ein entschiedener Gegner meiner politischen Überzeugung und langjähriger Wetzstein meiner jugendlichen Diskussionsfreude, holte mich in meiner Mittagspause ab und brachte mich zum Wahllokal - obwohl er damit, wie er selbst lachend bekannte, seine eigene Stimme "wieder aufhob": Dieses Bekenntnis zur inneren Wahlpflicht des Demokraten war ihm letztlich mehr wert als sein ganz persönlicher Beitrag zum Scheitern seiner Wunschregierung.

 

Wenn ich durch ihn eines gelernt habe, dann das: Die Kritik an den Auswüchsen, den Ungerechtigkeiten und den zu verbessernden Umständen darf niemals darüber hinweg täuschen, dass wir dank dieser Kritik auch wirklich etwas zu ändern vermögen. In diesem Sinne: Gehen Sie zur Wahl - auch wenn Sie mit Ihrer Stimme die meine wieder aufheben ;-)



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